Immer mehr Studenten kehren aus den USA nach China zurück
Die Schwierigkeiten beim Erhalt eines Visums und die vielversprechenden Karriereaussichten in chinesischen Unternehmen lassen viele chinesische Studenten mit Abschlüssen aus den USA vermehrt in China Arbeit suchen.
Ich aß vor kurzem mit einem jungen chinesischen Studenten von einer Hochschule in New York zum Mittag. Er war sehr intelligent und ambitioniert und ich genoss unser Gespräch. Trotzdem fühlte ich mich anschließend frustriert und nutzlos, da ich ihm keine guten Neuigkeiten zu einer Frage bieten konnte, die ihn seit langem plagt. Er fragte mich, wie er nach seinem Abschluss Ende dieses Jahres eine Stelle im Land finden und seine Karriereträume erfüllen könne.
In den letzten Jahren mussten internationale Studenten, die eine Anstellung nach ihrem Abschluss gefunden haben, ein grausames Lotteriesystem durchlaufen, um ein H-1B-Arbeitsvisum zu erhalten. Das Arbeitsvisum H-1B können Personen erhalten, die über ein abgeschlossenes Hochschulstudium und eine durch einen US-amerikanischen Arbeitgeber ausgefertigte Stellenzusage verfügen. Das Visum ist drei Jahre lang gültig und kann einmal um drei weitere Jahre verlängert werden. Die Erfolgsquote ist durch die steigende Bewerberzahl seit Jahren im Sinkflug. Letztes Jahr war nur 30 Prozent der 233.000 Bewerber das Glück hold, während 2013 noch rund 60 Prozent der Bewerber ein H-1B-Visum erhalten konnten.
Die Lage wird sich wahrscheinlich weiter verschlechtern. Die Verfügung des US-Präsidenten Donald Trump zum Einreiseverbot von Menschen aus sieben überwiegend muslimischen Ländern, wurde zwar vorerst von Gerichten gestoppt, doch die Regierung wird ihre allgemeine Haltung voraussichtlich nicht ändern. Die Immigrationspolitik des Landes wird strenger und diese Entwicklung wird sich zumindest in den nächsten Jahren fortsetzen.
Der US-Kongress überarbeitet derzeit ein Gesetzentwurf, welcher ein jährliches Einkommen von 100.000 US-Dollar vorsieht, um sich für ein H-1B-Visum bewerben zu können. Präsident Trump hat angedeutet, diesen Entwurf wahrscheinlich zu unterstützen. Diese Summe wird nur äußerst selten von jungen Hochschulabgängern bei ihrem ersten Job erreicht werden können und auch für Master-Studenten unerreichbar sein. In diesem Fall müssten Studenten der Sozialwissenschaften, deren Einstiegsgehälter meist unter dieser Mindestgrenze liegen, ihre Visa-Träume zu Grabe tragen.
Doch während mir mein junger Freund leid tat, dessen Hauptfach Journalismus in Trumps Amerika nicht stark nachgefragt ist, weiß ich auch, dass die strengere Visa-Politik chinesische Studenten in den USA nicht so schwer treffen wird wie noch vor zehn Jahren.
Verglichen mit der älteren Generation von chinesischen Studenten, die sehr daran interessiert waren, nach ihrem Abschluss in den USA zu bleiben, sehen die jungen Leute von heute die USA nicht mehr als ihre einzige Option an. Viele vertreten die Ansicht, dass China langfristig bessere Chancen bietet. Nach Daten des chinesischen Bildungsministeriums kamen von den 523.700 Chinesen, die 2015 für ein Studium ins Ausland gingen, 409.100 nach ihrem Abschluss wieder zurück. Das Verhältnis liegt demnach bei 1,28:1 und damit ausgeglichener als noch vor zehn Jahren, als es 2,15:1 betrug.
Potentielle chinesische Arbeitgeber haben den Wandel schnell bemerkt. In den vergangenen zwei Jahren hat eine wachsende Zahl von chinesischen Unternehmen damit begonnen, Rekrutierungstouren an US-amerikanischen Universitäten durchzuführen.
Das letzte Jahr war ein besonders umtriebiges. Im März brachte die in Beijing ansässige Karriere-Agentur Hongfei Global zusammen mit Chegg Study, einem Bildungsdienstleister aus Santa Clara, mehrere chinesische Unternehmen an zwölf kalifornische Hochschulen, um chinesische Studenten anzuwerben, die zum Arbeiten in ihre Heimat zurückkehren wollen.
Im Oktober tourte Haiwei Career, die Rekrutierungsabteilung des privaten Bildungsdienstleisters New Oriental aus Beijing, zusammen mit Tencent, Lenovo und JD.com durch fast 20 Universitäten in den USA, um vielversprechende Stellensucher zu interviewen.
Im November starteten Huawei und ZTE, zwei konkurrierende chinesische Telekommunikationsunternehmen, Stellenmessen auf US-amerikanischen Campussen. Ich nahm am letzten Halt der Tour von ZTE in New York teil, nachdem bereits vier Hochschulen an der Ost- und Westküste besucht worden waren. Die Stellenmesse wurde im Hyatt-Hotel in Manhattan abgehalten und zog fast 100 chinesische Studierende verschiedener Lehrstätten der Stadt an.
Zeng Li, Leiter der Personalabteilung von ZTE, sagte, dass obwohl das Unternehmen eine Zweigstelle in den USA unterhalte, sich alle Stellenangebote in China befinden. Er sei insgesamt froh über den Ausgang, weil es die erste Anwerbungstour von ZTE an US-amerikanischen Hochschulen gewesen sei. Rund 500 der 80.000 professionellen Angestellten der Firma haben im Ausland studiert, wie Zeng erklärte. Ziel sei es, diesen Anteil auf 20 Prozent oder 16.000 Angestellte zu erhöhen.
Die Studenten, die ich auf der Stellenmesse getroffen habe, erzählten mir, dass Wachstumspotential für sie das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung für einen Job sei. Ob sich die Stelle dabei in Beijing oder New York befinde, sei nicht wichtig.
Das soll nicht bedeuten, dass chinesische Studenten nicht mehr länger an Jobchancen in den USA interessiert wären. Einige Jahre Arbeitserfahrung in den Vereinigten Staaten können in China als Wettbewerbsvorteil genutzt werden.
Im Moment studieren 328.547 chinesische Studenten in den USA. Damit ist China das größte Herkunftsland für internationale Studenten in den Vereinigten Staaten. Doch die Jobchancen haben sich nach der Verschärfung der Immigrationspolitik verschlechtert und ich nehme an, dass sie sich weiter verschlechtern werden. Wenn das passieren sollte, wird die US-amerikanische Wirtschaft den Verlust von gut ausgebildeten, hart arbeitenden und talentierten Immigranten hinnehmen müssen.
Die Autorin Rong Xiaoqing ist eine Journalistin mit Sitz in New York.
Quelle: People’s Daily
- 20.02.2017 | Rubrik: Gesellschaft | 1080 Aufrufe
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Alles, was Sie schon immer über den CHINESEN AN SICH UND IM ALLGEMEINEN wissen wollten!China ist in aller Munde. Ob wirtschaftlich, politisch oder – im wahrsten Sinne des Wortes – durch einen Besuch beim »Chinesen um die Ecke«. Doch was wissen wir eigentlich über »den Chinesen« oder die vielen Skurrilitäten im Reich der Mitte?
»Schnell festgelesen, oft zustimmend genickt und immer wieder herzlich gelacht – die ›Alltagssinologie‹ eröffnet dem China-Anfänger tiefe Einblicke in eine unbekannte Welt und bietet auch dem China-Veteranen viele neue Erkenntnisse.« (Dr. Cord Eberspächer, Direktor Konfuzius-Institut Düsseldorf)
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