Eine Analyse des Marktes für New Energy Vehicles in China
Die Volksrepublik China hat in den letzten Jahren viel Aufsehen mit ihren Plänen für Elektromobilität erregt.
Elektroautos sollen die Probleme in den verkehrsintensiven Großstädten entschärfen und für mehr Umweltschutz sowie geringere Emissionen sorgen. New Energy Vehicles (NEVs), die alternative Antriebsund Elektrifizierungstechnologien nutzen, verzeichneten in China im Jahr 2015 eine Stückzahl von 379.000 Fahrzeugen. Damit haben sich die Produktionszahlen gegenüber 2014 (knapp 85.000) im Reich der Mitte mehr als vervierfacht.
Während 80.750 der abgesetzten NEVs im vergangenen Jahr Plug-in-Hybride waren, verkauften die chinesischen Autohändler 242.250 rein elektrisch betriebene NEVs. Zum Jahresende 2015 erreichte die Volksrepublik einen Bestand von 580.000 zugelassenen NEVs – damit löste China die USA als weltweiter Leitmarkt für Elektroautos ab. Auch für das Jahr 2016 prognostiziert der Branchenverband China Association of Automobile Manufactures (CAAM) ein anhaltendes Wachstum. In den ersten beiden Monaten des Jahres verzeichnete der Markt 35.726 verkaufte NEVs. Dabei stiegen die Verkaufszahlen von reinen Elektrofahrzeugen um 270 Prozent und die von Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen um mehr als 68 Prozent gegenüber den entsprechenden Vorjahresmonaten an.
Laut Statistiken der CAAM wird inzwischen weltweit jedes zweite Elektroauto im Reich der Mitte verkauft. Bis zum Jahr 2020 strebt die chinesische Regierung fünf Millionen zugelassene Elektrofahrzeuge an. Damit sollen vorwiegend die heimischen Automobilhersteller gestärkt werden, um sie zu Leitanbietern für Elektromobilität zu entwickeln.
Beitrag zum Klimaund Umweltschutz
NEVs sind ein wichtiges Mittel, um die CO2-Emissionen der Volksrepublik zu reduzieren. Entscheidend ist dabei allerdings der für die Stromproduktion eingesetzte Energiemix, der in China derzeit noch von Kohlekraftwerken dominiert wird. Damit wird der mit NEVs in Verbindung stehende CO2-Ausstoß negativ beeinflusst und ist vergleichbar oder sogar höher als bei einem herkömmlichen Fahrzeug. Zusätzliche NEVs bedeuten gleichzeitig auch einen Mehrverbrauch an Energie. Damit leisten sie derzeit keinen entscheidenden Beitrag zur Energieeinsparung, sondern erhöhen den Kohleverbrauch entsprechend. Ihr Beitrag zur Verbesserung der Klimasituation ist daher noch als kritisch zu bewerten. Auch der weiterhin sehr hohe Anteil konventioneller Fahrzeuge trägt zu einer Fortsetzung der bestehenden Umweltund Luftbelastung bei.
Das neue Fahrzeugkonzept leistet nur dann einen Beitrag zur Nachhaltigkeit, wenn der Anteil erneuerbarer Energien am Energiemix steigt. Bis Ende 2020 sollen die in China installierten Kapazitäten zur Energieerzeugung aus Wasserund Windkraft, Photovoltaik sowie Biomasse und Geothermie auf über 700 Gigawatt erweitert werden. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Energieverbrauch soll damit bis 2020 auf 15 Prozent ansteigen. Größere Effekte hinsichtlich einer verminderten Schadstoffbelastung durch den motorisierten Individualverkehr sind bei dieser Entwicklung erst ab dem Jahr 2025 zu erwarten. Kurzund mittelfristig verfügen Elektrofahrzeuge jedoch über das Potenzial, lokal zu einer verbesserten Luftqualität in chinesischen Großstädten beizutragen.
Ladeinfrastruktur bleibt eine Herausforderung
Ein Hindernis, das den Einsatz von NEVs beschränkt, ist die fehlende öffentliche Ladeinfrastruktur. Viele Kunden leben in Mehrfamilienhäusern und würden ihr Fahrzeug bevorzugt auf einem privaten Stellplatz im Untergeschoss aufladen. Die damit verbundene Installation einer privaten Ladestation lehnt die Hausverwaltung jedoch oftmals noch ab. Da ein Elektroauto allerdings bis zur vollständigen Ladung rund zehn Stunden an der Haushaltsteckdose und drei bis fünf Stunden an einer öffentlichen Ladesäule mit Starkstromanschluss benötigt, ist für viele Chinesen die Bereitstellung eines Parkplatzes mit integrierter Ladesäule ein entscheidendes Kaufkriterium.
Bis 2020 will die Regierung elf Milliarden EUR in die Ladeinfrastruktur investieren. Außerdem haben private Unternehmen damit begonnen, auf öffentlichen Parkplätzen sowie in Tiefgaragen von Einkaufzentren und Bürogebäuden in Peking Ladesäulen einzurichten. Im Vergleich zu anderen Ländern zeigt sich, dass ein Ausbau dringend erforderlich ist: In Peking bestehen pro Quadratkilometer 0,12 und in Schanghai 0,47 Ladesäulen. In Berlin wurden bereits 0,56, in London 0,83 und in Oslo 1,54 Ladesäulen pro Quadratkilometer installiert.
Ziel der Zentralregierung ist es, Betreiberfirmen von den Investitionen in Ladeeinrichtungen zu überzeugen. Dennoch konnte bis Ende 2015 die Vorgabe eines Verhältnisses von 1:1 für Ladestation und Fahrzeug nicht erreicht werden. Obwohl 580.000 NEVs bis zum Jahresende registriert waren, wies China landesweit nur 80.000 installierte Ladesäulen auf. Somit stehen 7,2 aufzuladende NEVs lediglich einer öffentlichen Ladesäule gegenüber. Dieses Verhältnis spiegelt die Gesamtsituation der Ladeinfrastruktur wieder: Es herrscht ein deutlicher Mangel an Ladeeinrichtungen.
Technische Lücken bei Schlüsselkomponenten
Obwohl China bei Forschung und Entwicklung, Komponenten sowie Produktionstechnologien für NEVs Fortschritte erzielen konnte, hinkt die heimische Industrie in einigen Bereichen internationalen Anbietern noch deutlich hinterher. Beispielsweise bei Elektromotoren und bei energieeffizienten Komponenten bietet sich deutschen Unternehmen ein interessantes Betätigungsfeld im chinesischen Markt. Trotz großer Ambitionen in China zeigt sich, dass derzeit hierbei noch einige Qualitätsund Effizienzunterschiede zwischen chinesischen und ausländischen Herstellern bestehen. Auch im Bereich der Prüfung und Zertifizierung und bei der Verbesserung der Sicherheit von Komponenten bieten sich zahlreiche Kooperationsmöglichkeiten für ausländische Lösungsanbieter.
Kaufkriterien und Subventionen als Kaufanreiz
Steuerliche Subventionen und politische Anreize stellen in der Entwicklungsphase von NEVs einen wichtigen Kaufanreiz dar. Diese Investitionen in die Technologie führen zu Beginn zu höheren Herstellungskosten und Verkaufspreisen. Wichtig dabei wäre, dass sowohl importierte als auch lokal produzierte Fahrzeuge die gleichen Förderungen erhalten, um ein vielfältiges und vergleichbares Fahrzeugangebot zu gewährleisten.
Aktuell fördert die Regierung vorwiegend chinesische Fahrzeugmodelle. Potenzielle Käufer machen ihre Entscheidung oftmals vom Endpreis abhängig: Solange dieser nicht den Erwartungen entspricht, zögern sie. Subventionen sind für viele Chinesen allerdings nicht allein entscheidend. Familien nutzen NEVs unter anderem für private Fahrten am Wochenende. Verfügbare Sitzplätze, Transportkapazität und die Reichweite nehmen deshalb ebenfalls einen wesentlichen Einfluss auf die Kaufentscheidung. Aufgrund der eingeschränkten Vergabe von Nummernschildern bei herkömmlichen Fahrzeugen in vielen Großstädten Chinas stellt auch der diesbezüglich leichtere Zugang bei Elektrofahrzeugen einen nicht zu unterschätzenden Kauftreiber dar.
Die beschriebenen monetären Kaufanreize stellen eine Maßnahme dar, um die Elektromobilität auf Chinas Straßen zu etablieren. Ab dem Jahr 2017 plant die Regierung, die direkten Subventionen schrittweise zu senken. Ziel ist es, nach 2020 primär in die Forschung und Entwicklung von NEVs zu investieren. Die Förderung eines elektrisch betriebenen Fahrzeugs beträgt derzeit bis zu 120.000 CNY (16.400 EUR) und elektrische Busse werden mit bis zu einer Million CNY (136.000 EUR) subventioniert. Der laufende 13. Fünfjahresplan (2016-2020) sieht Ausgaben von insgesamt 390 Millionen CNY (53,13 Millionen EUR) für die NEV-Branche vor. Mit der zukünftig verstärkten Förderung der Technologieforschung will China dauerhaft hohe Verkaufszahlen erreichen und Interessenten so günstigere Elektroautos ermöglichen.
Um das Ziel von fünf Millionen zugelassenen Elektrofahrzeugen bis 2020 zu erreichen, versucht China auch die öffentliche Nachfrage anzukurbeln: Bis Ende dieses Jahres sollen zunächst 30 Prozent aller Behördenflotten durch Elektrobzw. Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge angetrieben werden. Ab 2020 soll der Anteil von NEVs dann auf 50 Prozent der neu angeschafften Fahrzeuge für Regierungsabteilungen, öffentliche Einrichtungen sowie Stadtund Regionalverwaltungen steigen. Die verstärkte Nachfrage durch diese Vorgaben der Zentralregierung stellt eine Chance dar, um die ambitionierten Ziele auch umzusetzen. Weitere Kriterien, die den Markt für NEVs beeinflussen, fasst die SWOTAnalyse zusammen.
Fazit
Trotz bestehender Schwächen wie dem geringen Verbreitungsgrad und der unzureichenden Ladeinfrastruktur wird China auch zukünftig einer der bedeutendsten Absatzmärkte für Elektrofahrzeuge bleiben. Nach einer Prognose des Bankhauses Barclays aus dem Jahr 2016 werden die Absatzzahlen von Elektroautos bis zum Jahr 2020 um 44 Prozent jährlich ansteigen. Für den Zeitraum von 2015 bis 2020 ergibt sich demnach ein kumulierter Absatz von 5.811.134 NEVs, wodurch sich unter Berücksichtigung eines Anfangsbestandes von 257.000 NEVs eine Summe von über sechs Millionen registrierten NEVs ergibt. Somit hätte China das Ziel von fünf Millionen zugelassenen Elektrofahrzeugen erreicht.
Damit der NEV-Markt die Wachstumsprognose realisieren kann, sind neben einem umfangreichen Ausbau der Ladeinfrastruktur preiswerte und technologisch hochwertigere Modelle erforderlich, die langfristig mit herkömmlichen Fahrzeugen konkurrieren können. Nur wenn Design, Zuverlässigkeit, Fahrkomfort, Verkaufspreis und Qualität die Erwartungen der Chinesen erfüllen, können NEVs ihr Wachstumspotenzial ausschöpfen.
Good to know
Das größte Hindernis für die weitere Verbreitung von NEVs in China stellt immer noch die unzureichende Ladeinfrastruktur dar. Aktuell wurde dazu in Peking der Plan zur Entwicklung der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge von 2016 bis 2020 veröffentlicht. Nach diesem Plan soll in der Hauptstadt bis 2020 ein kompatibles, intelligentes und effizientes Netz mit Ladeeinrichtungen entstehen. Um den Ladebedarf von rund 600.000 Elektrofahrzeugen abdecken zu können, rechnet die Stadtregierung mit einem zusätzlichen Bedarf an 435.000 Ladesäulen, davon unter anderem 65.000 öffentliche und rund 360.000 private Säulen. Im Pekinger Stadtkern sowie in den Außenbezirken Tongzhou, Yizhuang und Yanqing soll bis zum Jahr 2020 alle 900 Meter mindestens eine Ladesäule installiert sein. Peking, Tianjin und die Nachbarprovinz Hebei sollen außerdem die Informationsund Bezahldienstleistungen ihrer öffentlichen Ladestationen bis 2020 in einem System vereint haben.
Quelle: econet monitor
- 25.07.2016 | Rubrik: Natur und Umwelt | 1808 Aufrufe
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Alles, was Sie schon immer über den CHINESEN AN SICH UND IM ALLGEMEINEN wissen wollten!China ist in aller Munde. Ob wirtschaftlich, politisch oder – im wahrsten Sinne des Wortes – durch einen Besuch beim »Chinesen um die Ecke«. Doch was wissen wir eigentlich über »den Chinesen« oder die vielen Skurrilitäten im Reich der Mitte?
»Schnell festgelesen, oft zustimmend genickt und immer wieder herzlich gelacht – die ›Alltagssinologie‹ eröffnet dem China-Anfänger tiefe Einblicke in eine unbekannte Welt und bietet auch dem China-Veteranen viele neue Erkenntnisse.« (Dr. Cord Eberspächer, Direktor Konfuzius-Institut Düsseldorf)
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