Taiwan: Gepflegter Duft aus Handarbeit
Lin Leng-yuan gehört zu den wenigen verbliebenen Handwerkern, die noch mit traditionellen Methoden handgemachte Räucherstäbchen herstellen.
Seit Jahrhunderten wird Räucherwerk in chinesischen Kulturen bei einem breiten Spektrum täglicher Tätigkeiten verwendet. Räucherstäbchen spielen nicht nur eine Schlüsselrolle bei religiösen Zeremonien, sondern wurden zum Beispiel auch benutzt, um das Verstreichen von Zeit zu messen, und Räucherwerk dient überdies als Arznei, denn die verarbeiteten Inhaltsstoffe findet man in Büchern für traditionelle chinesische Kräuterheilkunde. In der Vergangenheit hatte die große Nachfrage nach dem handgemachten Erzeugnis zur Folge, dass die Räucherstäbchenherstellung ein lukratives Gewerbe war. Viele der größeren Produzenten mussten jeden Monat Tausende Kilogramm von Räucherwerk ausliefern.
Seit Beginn der neunziger Jahre jedoch hat handgemachtes Räucherwerk wegen der hohen Produktionskosten im Zusammenhang mit dem traditionellen Herstellungsverfahren wie Lohnkosten und Bestandteil-Materialkosten einen großen Teil seines Marktanteils zugunsten maschinell gefertigter Importware eingebüßt. Zwar kann ein fleißiger, versierter Handwerker nach wie vor pro Tag 50 bis 60 Kilo Räucherwerk erzeugen, der tägliche Ausstoß einer Maschine wird dagegen in Tonnen gemessen. Und während handgemachte Räucherstäbchen aus natürlichen Bestandteilen bestehen, zum Beispiel Klebstoffe aus bestimmten Baumrindenarten, um das Duftpulver an das Holzstäbchen zu kleben, so werden für maschinell hergestelltes Räucherwerk chemische Ersatzstoffe verarbeitet.
Lin Leng-yuan, Inhaber des Laoyifong Incense Shop in der zentraltaiwanischen Stadt Changhua, ist einer der Wenigen, die heute noch Räucherstäbchen von Hand fertigen. Lin ist über drei Jahrzehnte im Geschäft, seit seinem 15. Lebensjahr. Im Gegensatz zu anderen Handwerkern in dem Gewerbe, die sich angesichts wachsender Konkurrenz moderneren Methoden zuwandten, stellt Lin seine Ware weiterhin mit traditionellen Techniken und natürlichen Zutaten her. Für ihn ist es eine Mission, nicht nur um seinen Lebensunternhalt zu verdienen, sondern auch, um die althergebrachte Praxis lebendig zu erhalten.
Quelle: Taiwan Heute
- 27.04.2016 | Rubrik: Taiwan | 1072 Aufrufe
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