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Taiwan: Unter den besten Standorten für Offshore-Windparks

Auch Taiwan verfolgt mit großem Engagement das Ziel, seinen mehrheitlich auf fossile Brennstoffe basierenden Energiemix nachhaltiger zu gestalten.

Taiwan umfasst mit seiner Hauptinsel, den Penghu Inseln, den Matsu-Inseln und der Insel Quemoy (Kinmen) sowie einigen weiteren kleinen Inseln eine Fläche von 36.179 km2. Dies entspricht in etwa der Fläche Baden-Württembergs. In der Hauptstadt Taipei liegt der Regierungssitz für die rund 23 Mio. Einwohner Taiwans, wobei im Jahr 2015 lediglich 18 Prozent des Energieverbrauchs durch Haushalte anfiel. Die Hauptkomponente des Energiemixes stellt zu 45 Prozent Kohle dar, darauf folgt Gas mit 31 Prozent. Beachtliche 14 Prozent der Energie werden bis heute noch aus Atomkraft geschöpft. Darüber hinaus beträgt der Anteil an Importen im Bereich der fossilen Energiegewinnung aktuell ca. 98 Prozent.

Auch Taiwan verfolgt mit großem Engagement das Ziel, seinen mehrheitlich auf fossile Brennstoffe basierenden Energiemix nachhaltiger zu gestalten. Erneuerbare Energien stellen diesbezüglich ein Schlüsselelement dar. Hinzu kommt, dass als Reaktion auf die Katastrophe von Fukushima der Atomausstieg Taiwans bis 2025 beschlossen wurde. Zusätzlich zu den umweltpolitischen Zielen strebt Taiwan mit seiner Energiewende gleichzeitig auch mehr Unabhängigkeit von Energieexporten an. In den nächsten acht Jahren soll der Anteil erneuerbarer Energien an der Gesamtstromerzeugung daher von 4,1 auf 20 Prozent (3 GW) erhöht werden, während der Emissionsausstoß bis 2050 auf maximal die Hälfte des Wertes von 2005 gesenkt werden soll. Für die Einhaltung dieser Zielvorgaben sowie Investitionsförderung im Bereich der erneuerbaren Energien ist das Energy and Carbon Reduction Office neu eingerichtet worden. Bisher beträgt die installierte Leistung von erneuerbaren Energien insgesamt 4.722 MW (Stand: Ende 2016). Den größten Anteil daran hatte die Wasserkraft mit 2.089 MW, gefolgt von Solarenergie mit 1.210 MW, Biomasse und Waste-to-Energy mit 741 MW sowie Windenergie mit 682 MW.

Voraussetzungen für Offshore-Windenergie in Taiwan

Den optimalen klimatischen und geographischen Bedingungen ist es zu verdanken, dass gemäß dem Onlineportal des Beratungsund Marktforschungsunternehmens 4C Offshore sieben der weltweit besten Standorte für Offshore-Windparks in der Taiwanstraße liegen. Mit durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten von bis zu zwölf Metern pro Sekunde sind dort hervorragende Voraussetzungen für die Nutzung von Windenergie gegeben. Bei einer zu erwartenden Anzahl von durchschnittlich 3200-3400 Volllaststunden jährlich kann der Standort Taiwan mit den Bedingungen in der europäischen Nordsee mithalten. Insgesamt geht das führende Forschungsinstitut Industrial Technology Research Institute of Taiwan (ITRI) von 15,2 GW Kapazität für Offshore-Windanlagen in der Taiwanstraße aus. Während das Potenzial im Onshore-Bereich aufgrund der geringen verfügbaren Landfläche mit einer installierten Kapazität von 682,1 MW bereits fast erschöpft ist, existieren im Offshore-Bereich noch große Entwicklungschancen. Daher wird in diesem Sektor bis 2030 eine Leistung von 4.200 MW angestrebt. Um dieses Ziel zu erreichen, soll mithilfe des vom Taiwan Bureau of Energy in Kooperation mit ITRI betriebenen sogenannten Thousand Wind Turbines Project bis 2025 die Marke von 3.000 MW erreicht werden.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Die rechtlichen Grundlagen für die Energiewirtschaft in Taiwan sind durch den Greenhouse Gas Reduction and Management Act, den Energy Administration Act und den Renewable Energy Development Act festgelegt. Grundlegend für die Entscheidung ausländischer Unternehmen, Investitionen zu tätigen, sind dabei die Einspeisevergütungen, die im Rahmen des Power Purchase Agreements (PPA) durch Taipower, das staatliche Energieversorgungsunternehmen Taiwans, garantiert werden. Die Höhe der Einspeisetarife und die Formelgrundlage zur Berechnung werden von Jahr zu Jahr von einem Komitee neu festgelegt. Dabei werden den Unternehmen zwei Optionen für die Vergütung des Stroms von Offshore-Windanlagen geboten. Die erste Option sieht vor, dass die erbrachte Energieleistung über einen Zeitraum von 20 Jahren zu einem konstanten Preis von 6,0437 NTD (17,7 Eurocent) in das Netz eingespeist wird. Bei der zweiten Option wird die Energie in den ersten zehn Jahren zu einem Preis von 7,4034 NTD (21,6 Eurocent) abgenommen. In den folgenden zehn Jahren ist der Abnahmepreis auf 3,5948 NTD (10,5 Eurocent) festgelegt.

Die gesetzliche Grundlage für den Bau von OffshoreWindenergieanlagen bietet das Offshore Wind Power Demonstration Incentive Program (DIP). Das DIP ist Teil eines 3-Phasen-Programms, welches die Erschließung des Offshore-Marktes schrittweiße voranbringen soll. Phase 1 sieht den Bau von drei Demonstrationswindparks im Rahmen von Pilotprojekten vor. Phase 2 beinhaltet die Directions of Zone Application for Planning (ZAP). Seit dessen Start im Juli 2015 können sich Entwickler für eine oder mehrere der 36 ausgeschriebenen Zonen für Offshore-Windparks bewerben. Ende dieses Jahres sollen die Inhalte der dritten Phase, des Zonal Development (ZD), verkündet werden.
Netzanschlussbedingungen

Taipower ist nicht nur Taiwans größter Stromversorger, sondern auch der alleinige Betreiber des Stromnetzes. Trotz der geringen Fläche Taiwans kommt es durch die Distanzen zwischen den Kraftwerken und den Endverbrauchern bei der Stromübertragung zu technischen Energieverlusten von bis zu 4,59 Prozent. Um diese Differenz zu minimieren, existiert seit 2012 eine Initiative zur Modernisierung des Stromnetzes, der Smart Grid Master Plan, welcher in seiner ersten Phase 18 Smart Grid Pilotprojekte beinhaltete. Dieser Plan sieht die Prozessoptimierung in allen Bereichen von der Generierung über den Transport bis hin zur Nutzung beim Endverbraucher vor. 2014 wurde die zweite Phase des Smart Grid General Projects eingeleitet. In der für diesen Abschnitt angesetzten Zeit von fünf Jahren werden jährlich bis zu 350 Mio. NTD (EUR 10 Mio.) in die Forschung und Entwicklung investiert, beispielsweise in den Ausbau von virtuellen Kraftwerken. Basierend auf diesen Ausbauplänen ergeben sich nicht nur für Unternehmen aus dem Energiesektor, sondern auch für Anbieter aus der Bauund Logistikbranche neue Marktchancen in Taiwan.

Aussichtsreiche Chancen für deutsche Unternehmen

Der Aufbau einer taiwanischen Windenergieindustrie hat gerade erst begonnen und in fast allen Bereichen ist das Potenzial durch lokale Anbieter noch nicht ausgeschöpft. Taiwan wird daher gerade im Anfangsstadium auf die Expertise und das Know-how von ausländischen Anbietern zurückgreifen, auch wenn langfristig der Aufbau einer lokalen Industrie angestrebt wird. In vielen Bereichen der erneurbaren Energie orientiert sich Taiwan stark an Deutschland und gerade in der Windkraftbranche herrscht großes Interesse an Technologien und Produkten “Made in Germany”. Aufgrund dessen ist die Expertise und Erfahrung deutscher Unternehmen besonders willkommen.

Quelle: econet monitor

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