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China treibt Konsolidierung seiner Stahlbranche voran

Nach einem verlustträchtigen Vorjahr erwirtschaftete die chinesische Stahlbranche 2016 wieder Gewinne.

Von Dauer dürften die guten Zeiten aber nicht sein. Schon 2017 ist wieder mit einer abnehmenden Nachfrage zu rechnen. Überdies steigt der Druck der Zentralregierung, Überkapazitäten abzubauen, die Produktivität zu steigern und in Umwelttechnologien zu investieren. Inwieweit Beijing seine Reformziele durchsetzen kann, muss sich angesichts der bisherigen Erfahrungen erst noch zeigen.

Für die chinesische Stahlbranche war 2016 ein gutes Jahr. Sie profitierte von forcierten staatlichen Infrastrukturprojekten und dem sich erholenden Immobiliensektor. Darüber hinaus nahm die Kfz-Industrie mit 56 Mio. Tonnen rund 3,7 Prozent mehr Stahl ab als 2015. Insgesamt berichtete das China Metallurgical Industry Planning and Research Institute von einem Verbrauchsanstieg von 0,9 Prozent auf rund 670 Mio. Tonnen. Generell kommen etwa 40 Prozent der chinesischen Stahlnachfrage aus dem Immobiliensektor und weitere 13 bis 14 Prozent aus dem Infrastrukturbau.

In der Folge legte die inländische Rohstahlproduktion 2016 getrieben von anziehenden Preisen im Vergleich zum Vorjahr von 803 Mio. auf 808 Mio. Tonnen um 1,2 Prozent zu, so das National Bureau of Statistics (NBS). Nach Erhebungen der Umweltschutzorganisation Greenpeace und der Beratungsfirma Custeel wurden sogar rund 36,5 Mio. Tonnen Stahl mehr als im Vorjahr produziert.

Doch so wird es nicht weitergehen. Schon für 2017 rechnet das Institut mit einer Verringerung des Stahlkonsums um 1,5 Prozent. Entsprechend geht die Schweizer Bank UBS von einer Abnahme des chinesischen Stahlverbrauchs zwischen 2015 und 2020 um 16,9 Prozent von rund 698 Mio. auf 580 Mio. Tonnen aus.

Damit wird sich das seit Jahren bestehende Überkapazitätsproblem der Branche weiter verschärfen. Nicht grundlos hatte Staatspräsident Xi Jinping beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar 2017 erneut versprochen, die Überkapazitäten zu reduzieren.

Bisher keine erfolgreiche Umstrukturierung sichtbar

Doch trotz ähnlicher Verlautbarungen passierte bislang eher das Gegenteil. Von 2008 bis 2016 stieg der Kapazitätsüberhang von 132 Mio. auf 429 Mio. Tonnen um mehr als das Dreifache. Die Kapazität betrug zuletzt 1,23 Mrd. und die Produktion 808 Mio. Tonnen. Mit anderen Worten: Bei der Rohstahlerzeugung sank die Auslastungsrate von 80 auf 65 Prozent.

Dabei wurde 2016, so Zahlen des chinesischen Staatsrates, sogar ein Produktionspotenzial von 65 Mio. Tonnen abgebaut. Wie das Handelsblatt auf Basis von Greenpeace-Informationen berichtete, seien zwar einerseits in der Tat alte Fabriken geschlossen worden, allerdings darunter viele, die ohnehin nicht mehr in Betrieb waren. Auf der anderen Seite hätten es jedoch viele Provinzen angesichts der anziehenden Preise “zugelassen, dass andere, eigentlich brachliegende Hochöfen wieder angefahren” wurden.

Prinzipiell hatte der Staatsrat 2016 zwar das ehrgeizige Ziel formuliert, die Rohstahlkapazitäten in den nächsten fünf Jahren um 100 Mio. bis 150 Mio. Tonnen Stahl per annum zu verringern. Dessen ungeachtet bleibt der Stahlsektor eine Schlüsselindustrie für die chinesische Wirtschaft und soll entsprechend zukunftsfähig gemacht werden.

Entwicklungsplan der Eisenund Stahlbranche

Dazu beitragen soll der im November 2016 vom Ministry of Industry and Information Technology veröffentlichte neue Entwicklungsplan der Eisenund Stahlbranche (2016-2020). Danach sollen die Erzeugerkapazitäten bis 2020 auf unter 1 Mrd. Tonnen pro Jahr fallen. Für 2020 gehen die Planer von einer weltweiten Stahlproduktion von 1,6 Mrd. Tonnen aus. Der heimische Konsum für 2020 wird auf 650 Mio. bis 700 Mio. Tonnen beziffert – bei einem geschätzten Ausstoß von 750 Mio. bis 800 Mio. Tonnen. Damit bliebe ein Angebotsüberhang von 50 Mio. bis 150 Mio. Tonnen.

Grundsätzlich soll die heimische Stahlbranche deutlich produktiver werden. Kam sie 2015 auf eine Arbeitsproduktivität von 514 Tonnen Stahl pro Arbeiter, sollen es bis 2020 mehr als 1.000 Tonnen sein. Dies ist nur möglich, wenn sogenannte Zombie-Unternehmen endgültig geschlossen und ineffiziente Anlagen stillgelegt werden. Um hieraus zu erwartende soziale Probleme abzufedern, hat die Zentralregierung einen Hilfsfonds eingerichtet.

Darüber hinaus setzt der Plan im Umweltbereich bis 2020 ehrgeizige Ziele. So sollen der zur Stahlerzeugung erforderliche Energiebedarf von 572 kg Standardkohle pro hergestellter Tonne Stahl auf unter 560 kg und der Frischwasserverbrauch von 3,25 cbm auf unter 3,2 cbm um jeweils circa 10 Prozent reduziert werden. Der allgemeine Schadstoffausstoß soll um circa 15 Prozent sinken, die Schwefeldioxidemissionen sollen von 0,85 kg auf unter 0,68 kg pro produzierter Tonne Stahl vermindert werden. Außerdem ist geplant die Recyclingrate für Schlacke von 79 auf 90 Prozent zu steigern. (Die Ausgangswerte beziehen sich stets auf das Jahr 2015).

In der Tat tut Abhilfe not. Speziell in der Region Peking-Tianjin-Hebei gilt die Stahlindustrie als hauptverantwortlich für die gesundheitsgefährdende SmogSituation des vergangenen Winters 2016/17. In Folge kam es zu Flugausfällen, Autobahnsperrungen und der Schließung von Schulen. Umweltaktivisten kritisierten, die Fabriken hätten angesichts der gestiegenen Stahlpreise in Erwartung höherer Gewinne ihre Produktion rücksichtslos nach oben gefahren.

Stahlfirmen sollen sich im Rahmen der neuen Seidenstraße internationalisieren

Des Weiteren enthält der Plan eine stärkere Internationalisierung der Unternehmen. Die chinesischen Stahlfirmen werden dazu ermutigt, Produktionsund Verarbeitungsbasen in Schlüsselmärkten entlang der neuen Seidenstraße zu errichten, vor allem dann, wenn mit Nachfrage aus Hochgeschwindigkeitszugoder Kraftwerksprojekten zu rechnen sei. Ausländische Firmen werden ausdrücklich dazu eingeladen, sich an diesen Projekten zu beteiligen, was wiederum die Produktqualität und das Management im Inland verbessern soll.

Laut China Metallurgical Industry Planning and Research Institute wird die Stahlnachfrage ganz erheblich vom Bau von Eisenbahnen, Straßen und Ölund Gaspipelines in diesen Auslandsmärkten profitieren. Auf 100 Mio. RMB (circa 13,6 Mio. EUR) EisenbahnBaukosten käme eine Stahlnachfrage von 3.300 Tonnen, kalkuliert das Institut. Sollten im Rahmen von der neuen Seidenstraße tatsächlich 26.000 km Hochgeschwindigkeitstrassen für Züge entstehen, dann würden hierfür etwa 85,8 Mio. Tonnen Stahl benötigt. Da die meisten betroffenen Länder Nettostahlimporteure sind, könnte China seine Stahlexporte dorthin erheblich steigern.

Doch die Überlegungen gehen noch weiter. So plädiert etwa das Center of China in the World Economy dafür, die chinesischen Stahlschmelzen an der Küste anzusiedeln, wo sie über das Meer direkt mit qualitativ hochwertigem Erz und entsprechender Kokskohle versorgt werden könnten. Dort sollen sie mit hochmodernen Verfahren effizient und umweltschonend Stahlprodukte erzeugen, mit denen sie den Binnenmarkt und ausländische Abnehmer beliefern könnten. Als Paradebeispiel gilt das Stahlwerk von Shougang in Caofeidian.

Schon jetzt muss China große Mengen an Eisenerz im Ausland zukaufen. Laut chinesischem Zoll waren es 2016 rund 1,02 Mrd. Tonnen (nach 0,95 Mrd. Tonnen 2015). Der brasilianische Bergbaukonzern Vale S.A. geht von einem weiteren Anstieg in den nächsten fünf Jahren aus. Über 200 Mio. Tonnen Erz dürften dabei allein jeweils auf die Provinz Hebei entfallen.

Quelle: econet monitor

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