Menu

China: Mit der Genschere CRISPR-Cas9 gegen Krebs

Zum zweiten Mal in einem Jahr haben chinesische Ärzte die Genschere CRISPR-Cas9 zur Behandlung von Krebs eingesetzt. Es ist auch das zweite Mal überhaupt, dass Forscher die Technik beim Menschen zur Anwendung gebracht haben.

Die letzte Runde von Tests fand am 28. April im Trommelturm-Krankenhaus der Universität Nanjing statt. Der anonym bleiben wollende Patient leidet unter Nasenrachenkrebs im Spätstadium.

Die Technik namens CRISPR-Cas9 vermag es, wie eine Schere sehr spezifische DNA-Abschnitte abzutrennen. CRISPR steht dabei für “Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats”, Abschnitte sich wiederholender DNA, die sich meist von vorn und von hinten gleich lesen. Cas9 steht für “CRISPR-associated” und bezeichnet einen Teil einer Proteinfamilie, die DNA schneiden kann und für gewöhnlich einem antiviralen Abwehrmechanismus dient.

Die Technologie hat es den Wissenschaftlern ermöglicht, Genome von Lebewesen – von Bakterien bis zum Menschen – zu schneiden und zu zerkleinern.

In den USA hat das Potenzial der Technik zu sprachlichen Höhenflügen motiviert. Das Magazin Wired nannte CRISPR-Cas9 die “Genesis-Maschine”, weil es fast gottgleiche Macht zu verleihen verspricht, um das menschliche Dasein zu verbessern. Chinesische Wissenschaftler haben es bereits genutzt, um genetische Mutationen in menschlichen Embryonen zu reparieren.

Doch damit nicht genug. China gehört in diesem Bereich zur wissenschaftlichen Avantgarde und führt Studien am Menschen durch, um Krebs zu heilen. Mithilfe der CRISPR-Cas9-Technik injizierten chinesische Ärzte Patienten eigene modifizierte Zellen. Die Modifikationen weisen neue Zellen an, DNA-Teile auszuschneiden, welche die Fähigkeit des Körpers behindern, Krebs zu bekämpfen.

Dr. Jia Wei, die als Projektleiterin und Vize-Direktorin des Klinischen Krebsinstituts der Universität Nanjing tätig ist, sagte gegenüber The Wall Street Journal: “Der erste Patient hat gerade eine Zellinfusion erhalten und es läuft gut.” Weitere 20 Patienten mit Lymph-, Magen- und Nasenrachenkrebs werden an dieser klinischen Studie teilnehmen, die voraussichtlich 2018 abgeschlossen wird. Diese Krebsarten treten in China häufig auf.

Mit der Weiterentwicklung der CRISPR-Cas9-Technik hoffen die Wissenschaftler, dass sie irgendwann Erbgut von genetisch vererbten Krankheiten wie Krebs, Sichelzellenanämie und der Parkinson-Krankheit entfernen können, bevor diese die Chance erhalten, sich körperlich zu manifestieren.

Die erste Studie am Menschen mit CRISPR-Cas9 fand im vergangenen Herbst im Westchina-Krankenhaus in Chengdu statt. In deren Verlauf hat ein Team des Onkologen Dr. Lu You die Technik benutzt, um genetisch veränderte Zellen in einen Patienten mit hoch aggressiven Lungenkrebs zu injizieren.

Im vergangenen Jahr konnten Mediziner von der University of Massachusetts CRISPR-Cas9 dazu verwenden, um Proteine in menschlichen Zellen zu isolieren, die es dem Zika-Virus ermöglichen, sich zu reproduzieren.

CRISPR-Cas9 wurde auch für noch dramatischere – teils umstrittene – Forschungen genutzt. Das kalifornische Salk Institute for Biological Studies hat jüngst einen Mensch-Schweine-Hybriden durch die Einschleusung von menschlichen Genen in die DNA eines Schweine-Embryos geschaffen. Ziel dabei ist es, eines Tages menschliche Organe für Transplantationen in Schweinen zu züchten.

2016 erhielt die University of Pennsylvania grünes Licht für menschliche Studien mit CRISPR-Cas9 und wurde damit das erste US-amerikanische Krankenhaus, welches eine Zulassung dafür erhielt. Die Studien, die sich auf die T-Zellen der Immunabwehr konzentrieren, sollen dieses Jahr beginnen.

Dr. Lu, der die ersten menschlichen CRISPR-Cas9-Studien im Westchina-Krankenhaus durchführte, sagte gegenüber The Wall Street Journal, dass die Ergebnisse aus diesen Behandlungen noch in diesem Jahr zur Verfügung stehen sollen.

Quelle: People’s Daily

© CHINA OBSERVER 2007 - 2017 • All Rights Reserved.

China Nachrichten in deutscher Sprache.

Für den Titel: CHINA OBSERVER nehmen wir Titelschutz nach § 5 Abs. 3 MarkenG. in Anspruch.

Konzeption: dato | Realisierung: pixelpainter | Programmierung: Jo Schwarz | Template basic concept: CodyHouse | Yaheetech