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China: 30 Millionen unverheiratete Männer in den nächsten 30 Jahren

Prognosen zufolge werden Millionen von Männern in China ihre Mühe haben, in den nächsten Jahren eine Partnerin zu finden.

Experten sehen den Grund für diese “Junggesellen-Krise” vor allem im Geschlechterungleichgewicht der 1980er Jahre, wie People’s Daily berichtete. “Chinas wachsendes Geschlechterungleichgewicht bei den Geburten existiert nun schon fast 30 Jahre und die summierten Effekte davon werden in den nächsten 30 Jahren zu einem Überschuss von 30 Millionen Männern im heiratsfähigem Alter führen”, so Zhai Zhenwu, Professor für Bevölkerungsstudien an der Renmin-Universität.

Daten des Staatlichen Statistikamtes von Ende 2015 zufolge gibt es rund 704 Millionen männliche und 670 Millionen weibliche Bürger auf dem chinesischen Festland. Im Durchschnitt werden auf 114 Jungen nur 100 Mädchen geboren. Der globale Durchschnitt liegt bei 103 Jungen auf 107 Mädchen. Die in den 1980er Jahren geborene Generation versammelt für 100 ledige Frauen 136 Junggesellen und für die 1970er-Generation liegt diese Zahl sogar bei 206 Junggesellen.

Zhai zufolge entspringt das Ungleichgewicht der Bevorzugung von Jungen vor Mädchen unter Chinesen und der technischen Entwicklung, die es Eltern möglich macht, das Geschlecht ihres Kindes vor der Geburt festzustellen und gegebenenfalls eine Abtreibung zu vollziehen.

Selbst im 21. Jahrhundert liegt das Geschlechterverhältnis bei der Geburt im Durchschnitt bei 121 Jungen auf 100 Mädchen und in einigen Provinzen beträgt es gar beeindruckende 130 Jungen auf 100 Mädchen. Das größte dadurch verursachte Problem sind die sogenannten “Guanggun” (Deutsch: “kahle Zweige”), Männer mit schlechten Heiratschancen. “Falls diese Junggesellen keine Frauen heiraten, die älter als sie selbst sind, werden 30 Millionen von ihnen keine Partnerin finden können”, prognostiziert Zhai. Falls sich das Geschlechterverhältnis in China langsamer angleicht, als bisher noch erwartet wird, könnte die Zahl der Junggesellen sogar noch höher liegen.

Wang Guangzhou, einem Mitarbeiter am Institut für Bevölkerungs- und Arbeitswirtschaft der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften, zufolge sind rund vier Prozent aller Männer zwischen 35 und 59 Jahren unverheiratet, während nur 0,4 Prozent aller Frauen im gleichen Alter Singles sind.

Laut Wang sind die Hauptleidtragenden dieser Situation oftmals Männer mit geringer Bildung sowie mit einem niedrigen sozialen und wirtschaftlichen Status. 1990 hatten nur 12,7 Prozent aller Junggesellen zwischen 35 und 59 Jahren weniger als sechs Jahre Schulausbildung. Diese Zahl lag zehn Jahre später bereits bei 15 Prozent.

Lu Yilong, Professor für Soziologie und Bevölkerungsstudien an der Renmin-Universität, sieht in dem Geschlechterungleichgewicht mehrere Risiken: unerschwinglich hohe Mitgiftzahlungen, Frauenhandel, Sexualverbrechen und andere soziale Probleme.

Langfristig wird das Frauendefizit und die niedrige Geburtenziffer die arbeitende Bevölkerung weiter schrumpfen lassen und die Vergreisung der gesamten Gesellschaft beschleunigen. Andere Soziologen glauben, dass weibliche Stellensucher durch das Geschlechterungleichgewicht möglicherweise sexueller Diskriminierung in ihrer Karriere begegnen könnten.

Im November 2002 wurden die Geschlechtsbestimmung von Föten aus nicht-medizinischen Gründen sowie Abtreibungen aufgrund des Geschlechts offiziell verboten. Entsprechende Praktiken wurden dadurch jedoch nicht abgeschafft, da die Kontrolle schwierig ist und die technische Entwicklung sie erleichterte.

Wang prognostiziert, dass durch die Zwei-Kind-Politik zukünftig mehr Mädchen geboren werden. Jedoch sollten weitere politische Maßnahmen erwogen werden.

Nach den Zielen, welche im Nationalen Plan zur Bevölkerungsentwicklung (2016 – 2030) festgelegt wurden, soll das Geschlechterverhältnis bei der Geburt bis 2020 sich bei 112 Jungen auf 100 Mädchen einpendeln und sich bis 2030 bei 107 auf 100 stabilisieren. Dies bedeutet, dass es 13 Jahre brauchen wird, um ein ausgeglichenen Verhältnis zu schaffen. Anschließend wird das Land mit den “kahlen Zweigen”, welche in den letzten drei Jahrzehnten geboren wurden, umgehen müssen.

Wang schlägt vor, dass China mehr Anstrengungen unternehmen sollte, um die bestehenden Gesetze durchzusetzen, um so die Rechte der weiblichen Bürger landesweit zu schützen. Eine Plattform zum Datenaustausch sollte etabliert werden, um ein Bewusstsein für das unausgeglichene Geschlechterverhältnis bei der Geburt zu schaffen. Experten sind sich einig, dass es auch nötig sei, die traditionelle Bevorzugung von Jungen unter der Bevölkerung zu ändern und an der Gleichberechtigung zu arbeiten.

Das Bewusstsein für Gleichberechtigung sei gegenwärtig immer noch schwach. Traditionelle Vorurteile gegen Mädchen können nur durch Urbanisierung, Industrialisierung und Bildung verändert werden, so Zhai. “Wir müssen die nächste Generation unterrichten und einen fruchtbaren Boden für Gleichberechtigung schaffen”, erklärt Zhai. “Die Krise der ‚kahlen Zweige‘ wird nicht gelöst werden, solange sich die Ansichten der jungen Menschen zum Kinderkriegen nicht ändern.”

Quelle: People’s Daily

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