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“Sponge Cities” in China

Lösungsansätze für Überflutungen und Wasserknappheit in Chinas Städten.

sponge-cities-in-china.jpg Laut chinesischen Medien leiden über 400 Städte in China an akutem Wassermangel, während mehr als 100 davon ihren eigenen Wasserbedarf bereits nicht mehr selbst decken können. Gleichzeitig sind viele dieser Städte auch von Überschwemmungen betroffen. Beispielsweise wurden in 2015 über 20 Millionen Menschen in mehreren Städten Chinas von Überflutungen heimgesucht und die damit verbundenen finanziellen Schäden erreichten mehr als 30 Milliarden CNY.

Vor diesem Hintergrund initiierte die chinesische Regierung in 2015 das sogenannte “Schwammstadt-Programm” (sponge city programme) mit dem Ziel, in die wassersensible Stadtentwicklung zu investieren und neue Wasserquellen zu erschließen. Das Programm sieht vor, dass 20 Prozent der chinesischen Städte bis zum Jahr 2020 über moderne Abwassersysteme und Infrastruktur verfügen, um Wasser effizient sammeln und nutzen zu können. Bis 2030 soll dieser Anteil auf 80 Prozent ansteigen. Neue Abwassersysteme sollen Regenwasser effizient sammeln und in Anlagen für die Aufbereitung leiten. Es ist vorgesehen, dass mindestens 70 Prozent des Regenwassers durch den Boden aufgenommen werden soll, anstatt in Flüsse abgeleitet zu werden.

Um dieses Ziel zu erreichen wollen Städte Wohnanlagen und Bezirke mit Speichereinheiten, Filtrationsbecken und Feuchtgebieten entwickeln sowie Straßen und Gehwege mit wasserdurchlässigen Belägen ausstatten. Darüber hinaus sollen moderne städtische Abwassersysteme, Industriegelände und öffentliche Grünflächen in Verbindung mit dem Programm aufgebaut werden.

Im April des vergangenen Jahres hat die chinesische Zentralregierung die ersten 16 Städte und Bezirke für das Programm ausgewählt. Darunter waren beispielsweise Städte wie Xiamen in der südchinesischen Fujian Provinz und Wuhan, Hauptstadt der zentralchinesischen Provinz Hubei, vertreten. Im April 2016 wurden weitere 14 Städte in das Programm mit einbezogen. Jeder in das Programm aufgenommenen Stadt werden jährlich Zuschüsse in Höhe von mindestens 400 Millionen CNY über den Zeitraum von 3 Jahren zugesichert.Laut Vizeminister, Lu Kehua, des dafür zuständigen Ministry of Housing and UrbanRural Development (MOHURD) verfügen insgesamt bereits 130 chinesische Städte über erste Pläne zur Umwandlung in Schwammstädte.

Das Konzept

Eine sogenannte “Sponge City” verhält sich nicht wie ein undurchlässiges System wo kein Wasser durch den Boden fließt, sondern nimmt die Funktion eines Schwammes ein. Sie lässt Regenwasser natürlich durch den Boden filtern, beispielsweise durch Sandschichten, und in das Grundwasser fließen. Die Stadt kann nach diesem Konzept mit ihrer eigenen Ressourcen Regenwasser an zahlreichen Stellen absorbieren und speichern, wodurch Überschwemmungen vermieden werden können. Das gewonnene Wasser kann weiter aufbereitet werden und für die Versorgung der Stadt in trockeneren Perioden wieder genutzt werden.

Das vorteilhafte Konzept sorgt für mehr sauberes Wasser und Grundwasser. Es erhöht die Klimaresistenz, reduziert somit die Hochwassergefahr und verringert die Belastung von Abwassersystemen. Städte in ganz China profitieren somit von grüneren, gesünderen und lebenswerteren Räumen. Im Folgenden sollen die bisherigen Maßnahmen ausgewählter Städte näher vorgestellt werden.

Peking plant Parkanlagen und zusätzliche Wasserreservoirs

In der chinesischen Hauptstadt plant die Stadtplanungskommission die Überflutungsgefährdung mithilfe von Parkanlagen und Wasserreservoirs zu reduzieren. 73 Parkanlagen unterschiedlicher Größe, unmittelbar am Ufer von nahegelegenen Flüssen und Kanälen sollen Regenwasser im Sommer auffangen und somit effizient Überschwemmungen vermeiden und Wasser sammeln. In den innerstädtischen Bezirken werden Einwohnern damit neue grüne Parkanlagen mit Teichen, kleinen Seen und Flüssen zur Verfügung stehen. Während Regenperioden werden die Parkanalagen ca. 10 Millionen Kubikmeter an Regenwasser speichern können. Nach dem Plan der Stadt sollen auch fünf neue Wasserreservoirs in den Gebirgsregionen um Peking entstehen und mit den bereits vorhandenen 88 Reservoirs zur Vermeidung von Überflutungen beitragen. Als weitere Maßnahmen werden in der Stadt durchlässige Baumaterialien eingesetzt, zahlreiche Speicherbehälter in gefährdeten Regionen aufgebaut und Pumpkapazitäten insbesondere bei Unterführungen gezielt erhöht.

Shanghai entwickelt neue Standards

Die Stadt Shanghai will im Kampf gegen Überflutungen und Wasserengpässe eigene “Schwammstadt-Standards” einführen. Die damit verbundenen Infrastrukturkonzepte für die Entwässerung und Speicherung vom Regenwasser sollen bis 2020 neu entwickelt werden mit dem Ziel, 80 Prozent des Regenwassers in Speichereinheiten unterhalb von Straßen, Parkanlagen und öffentlichen Plätzen zu sammeln. Dabei soll die Beschaffenheit der Stadt, wie das vergleichsweise hohe Grundwasserniveau und die geringe Bodendurchlässigkeit, berücksichtigt werden. Nahezu 400.000 Quadratmeter von Shanghais Straßen wurden bereits erneuert, um das erforderliche Wasseraufnahmevermögen für eine Schwammstadt zu erreichen. Laut Dai Shenzhi, Professor für Architektur und Stadtplanung an der Shanghai Tongji Universität, sollen die vorhandenen Straßenpflaster an Gehwegen durch wasserdurchlässige Beläge ersetzt werden, um das Regenwasser später für Reinigungszwecke und Bewässerungsanlagen nutzbar machen zu können. Dies sei eines der Schlüsselprojekte in Shanghai, bestätigt der Professor, der auch an der Entwicklung der künftigen Standards mitwirken wird.

Guangzhou schützt sich vor schweren Stürmen

In der südchinesischen Stadt Guangzhou, Hauptstadt der Provinz Guangdong, startete im Juli 2016 das erste Schwammstadt-Pilotprojekt. Dabei wird im Bezirk Tianhe ein See in ein Feuchtgebiet transformiert. Damit wird erwartet, dass bei starken Stürmen das Volumen an Regenwasser in der Stadt um zirka 180.000 Kubikmeter reduziert werden kann. Bäche aus dem Baiyun Gebirge werden gereinigt und beim Fließen durch die Bepflanzung und die zahlreichen Teiche im Feuchtgebiet abgeschwächt. Das Regenwasser soll auch mittels durchlässigem Boden in Untergrundspeicher fließen und schließlich weiter unterhalb ein Reservoir erreichen. In Verbindung mit dem Schwammstadt-Projekt beschloss der städtische Volkskongress von Guangzhou im Juni den sogenannten “Eco-civilization Development Plan” für den Zeitraum von 2016 bis 2020. Die Maßnahmen des Plans sollen sicherzustellen, dass die Innenstadt ab 2020 starken Jahrhundertfluten und -stürmen standhalten kann.

Wuhan verzeichnet erste Erfolge

Die Stadt Wuhan, Hauptstadt der zentralchinesischen Provinz Hubei, liegt am Ufer des Flusses Yangtze und kämpft seit langem mit Überschwemmungen. Im Rahmen des Schwammstadt-Programms planen die lokalen Behörden das gesammelte Regenwasser zu nutzen, um den Wasserspiegel der naheliegenden Seen zu erhöhen. Wuhan begann bereits mit dem Bau von mehr als 100 Projekten mit einem Investitionsvolumen von rund 2 Milliarden CNY. Während des langen und starken Regensturms im Juni bestätigten die bisher erbauten Schwammstadt-Anlagen bereits ihre Wirksamkeit.

Fazit

Für viele chinesische Städte ist die Überflutungsgefährdung bei starken Regenfällen weiterhin stark von der Abwasserkanalisation abhängig, schließt Peng Bo von der Commission for Housing und Urban-Rural Development in Wuhan. Schwammstadt-Konzepte können erst dann ihre volle Wirksamkeit entfalten, wenn Flüsse, Seen und wasserführende Gebiete effizient miteinander verbunden werden, um das Regenwasser aus den überfluteten Bezirken abfließen zu lassen. Er glaubt, dass der Beitrag eines einzelnen “Schwamms” begrenzt sei und erst durch deren Vernetzung ambitionierte Projektziele zur Wassergewinnung und Bekämpfung von Überflutungen erreicht werden können.

Neben dem Aufbau von Schwammstädten ist auch der weitere Ausbau von Abwassersystemen und Hochwasserschutzanlagen entscheidend. Lediglich durch die Nutzung beider Maßnahmen können die Auswirkungen von Überschwemmungen wirkungsvoll vermindert werden.

Die zahlreichen Schwammstadt-Initiativen in chinesischen Städten eröffnen vielversprechende Marktchancen für ausländische Lösungsanbieter. Geschäftschancen für deutsche Unternehmen liegen dabei insbesondere im Bereich der Stadtplanung und bei Wassernutzungskonzepten, sowie in der Zulieferung von Technologien und Komponenten in Verbindung mit Anlagen zur Wasserspeicherung und -behandlung, für Bodenbeläge und Abwassersysteme. Auch im Bereich der Messund Regeltechnik ergeben sich Marktmöglichkeiten.

Quelle: econet monitor

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