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Energiesparendes Bauen für private Bauherren in China

Der chinesische Bausektor entwickelt sich ähnlich dynamisch wie die Gesamtwirtschaft.

neue-weichenstellungen-fuer-umweltschutzmassnahmen-in-china.jpg Dabei übt die Zentralregierung insbesondere in den Bereichen energieeffizientes Bauen und Bauqualität einen großen Einfluss auf diesen Sektor aus. In diesem Zusammenhang und vor dem Hintergrund wachsender Umweltverschmutzung, steigender Energiepreise und zunehmender Wasserknappheit ist die Realisierung von zertifizierten Passivhausprojekten ein immer wichtigeres Thema. Um diese nachhaltig umsetzen zu können, wird ein Gesamtkonzept einschließlich energetischer Konzeption, entsprechender Innenausstattung und qualifizierter Bauleitung benötigt.

In der Vergangenheit war der chinesische Gebäudesektor von enormem Wachstum, kurzfristiger Rentabilität, hohen Margen, niedrigen Energiepreisen und daraus resultierend geringen laufenden Kosten geprägt. Insbesondere letztere führten dazu, dass die Themen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz eine untergeordnete Rolle spielten. In letzter Zeit ist jedoch ein Umdenken seitens der chinesischen Regierung anhand verschärfter Vorschriften erkennbar. Die bisher gängige Praxis wird sich allerdings nicht mit einem Mal grundlegend ändern lassen. Vielmehr benötigt es neben qualitativ hochwertigen Angeboten vor allem überzeugungsarbeit für nachhaltiges Bauen sowie qualifiziertes Personal in der Bauplanung und Durchführung.

Damit verstärkt nachhaltige und energiesparende Bauprojekte in China qualitativ hochwertig umgesetzt werden können, müssen sie intensiv betreut und pragmatisch angegangen werden: die chinesischen Designer brauchen unter anderem eine umfangreiche Anleitung und Beratung und für die ungelernten Arbeiter werden beispielsweise vereinfachte und leichter verständliche Zeichnungen benötigt.

Mit dem Trend zum nachhaltigen Bauen steigt daher der Beratungsbedarf im chinesischen Gebäudesektor. So müssen Entwürfe ausländischer Designfirmen auf Machbarkeit überprüft und von einer verantwortungsvollen Bauleitung intensiv betreut und begleitet werden. Diese Marktnische bietet ein hohes Wachstumspotential. Sie kann von deutschen Unternehmen, die damit einen wesentlichen Beitrag zur Qualitätssicherung leisten und letztendlich zur Ressourcenschonung beitragen, sinnvoll genutzt werden.

Zu erwähnen bleibt jedoch auch, dass teilweise vielversprechende Energiesparprojekte zwar von ausländischen Büros geplant werden, die Realisierung jedoch durch heimische Unternehmen vollzogen wird. Die Umsetzung erfolgt daher mit minderwertiger Qualität, wodurch die ursprüngliche Projektintention ad absurdum geführt wird: unvollständige und wenig durchdachte Energiekonzepte mindern die Qualität und konterkarieren das Energiesparziel.

Bei der Entscheidung für energiesparendes Bauen bzw. ein Passivhaus spielen in China allerdings nach wie vor Langlebigkeit, Klimaschutz und Ressourceneinsatz eine untergeordnete Rolle. Dabei sollten gerade Gesundheit, Wohlbefinden und in Verbindung damit die Verbesserung des Lebensumfelds für die Familie, besonders durch Ausschluss gesundheitsgefährdender Faktoren, wichtigste Entscheidungskriterien darstellen.

Um chinesische Kunden vom energieeffizienten Bauen zu überzeugen, nimmt die Demonstration bereits fertiggestellter Projekte eine entscheidende Rolle ein. Vielen potenziellen Kunden wird die Qualität der Gebäude bewusst, wenn sie die unabhängig von der Jahreszeit gleichbleibende Temperatur und das angenehme Raumklima wahrnehmen und die frische Luft im Objekt das raue Klima und die Luftverschmutzung vergessen lässt. Sowohl der heiße, feuchte August als auch der bitterkalte, windige Januar sind im Inneren nicht zu spüren. Diese Veranschaulichung ist besonders wichtig. So können die Kunden vollständig vom Projekt und damit von ihrer Entscheidung überzeugt werden. Nur dann stehen sie dahinter.

Bei der Umsetzung energiesparender Bauprojekte durch deutsche Firmen in China wird eine Vielzahl deutscher Produkte eingesetzt, beispielsweise bei Wärmedämmung, Fenstern, Schrauben, Einbauteilen und Farben für die Innenausstattung. Badezimmerausstattung, Beleuchtung und Möbel deutscher Herkunft bilden einen weiteren Baustein für qualitativ hochwertiges, energiesparendes Bauen.

Chinesen setzen dabei deutsche Unternehmen und ihre Produkte vorbehaltlos mit Qualität gleich. Im Hinblick darauf könnten eine intensivere Betreuung und Beratung der Kunden das Angebot der deutschen Unternehmen abrunden und zu einer Steigerung der Nachfrage führen. Insbesondere bei den staatlichen Designbüros ist bei der Umsetzung von im Ausland entworfenen Projekten enormer Beratungsbedarf erkennbar.

Neben der Zusammenarbeit mit deutschen Firmen wird auch mit chinesischen Akteuren kooperiert. So weist zum Beispiel die Firma Zehnder eine Expertise im Bereich Frischluftanlagen, Wärmepumpen, Fußbodenheizungen und –kühlungen auf. Entscheidend für den Erfolg der Zusammenarbeit ist dabei jedoch der Kommunikationsaufwand. Da Chinesen hochwertigen deutschen Bauprojekten großes Vertrauen entgegenbringen, wird der Einsatz aufstrebender chinesischer Firmen bisher allerdings seltener gewünscht.

Im Hinblick auf die Erschließung des chinesischen Marktes für energiesparendes Bauen im Allgemeinen und für Passivhäuser im Speziellen zeichnet sich derzeit ein Schwerpunkt auf kleinen und vor allem privaten Vorhaben ab. Die wenigen, bisher umgesetzten größeren Projekte haben noch nicht dazu geführt, dass Aufträge für Großprojekte wie einen ganzen Wohnkomplex im Passivhausstil vergeben wurden. Häufig lag die Begründung in den Kosten.

Damit Investoren, die bei großen Projekten aus überzeugung pragmatisch einen Schritt in Richtung Langlebigkeit und weg von kurzfristigen Gewinnberechnungen machen wollen, investieren, bleibt zu hoffen, dass die Ziele der Regierung zum Katalysator werden. Außerdem könnte eine intensivere Lobbyarbeit durch Institutionen hilfreich sein. Im Hinblick auf den Markteintritt spielen allerdings, insbesondere im chinesischen Kontext, auch persönliche Kontakte und Multiplikatoren eine große Rolle.

Zusammenfassend kann damit festgehalten werden, dass der chinesische Gebäudesektor im Bereich Nachhaltigkeit und Passivhäuser vielversprechendes Potenzial für deutsche Unternehmen bietet. Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften erschwert dabei die Umsetzung nachhaltiger Bauprojekte, weshalb insbesondere Dienstleistungen wie die Betreuung von Projekten und die Beratung von chinesischen Firmen als Wachstumsbereiche identifiziert werden können. Trotz zum Teil mangelhafter Qualität verkaufen sich jedoch auch noch energetisch unzureichend entwickelte Gebäude gut. Teilweise werden überdies mit der Realisierung von nachhaltig geplanten Projekten durch chinesische Firmen die ursprünglichen Ziele verfehlt. Damit zukünftig gerade im Passivhausbereich verstärkt Großprojekte umgesetzt werden, ist auch eine intensivere Lobbyarbeit nötig.

Quelle: econet monitor

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