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China treibt Innovation voran

Forschungsambitionen der Volksrepublik China schaffen Raum für Zusammenarbeit. Gleichzeitig steigt auch der Wettbewerb.

Unter quantitativen Gesichtspunkten gehört die Volksrepublik China bereits zu den innovativsten Ländern weltweit: Chinas Patentamt erhält mit Abstand die meisten Anmeldungen pro Jahr. Mit einem Anteil von 1,98% vom Bruttoinlandsprodukt gibt das Land bereits genauso viel für Forschung und Entwicklung aus wie die Europäische Union. Noch hinken die qualitativen Ergebnisse zwar den monetären Anstrengungen hinterher. Doch China trimmt seine Innovationslandschaft auf Effizienz. Input aus dem Ausland ist erwünscht.

Ehrgeizig treibt die Volksrepublik China ihre Infrastruktur für Forschung und Innovation voran. Bereits 2015 sollen sich die Forschungsausgaben bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf 2,2% belaufen. An Geld für Forschung und Entwicklung (F&E) mangelt es in der Volksrepublik nicht. Erstmals hat der chinesische Staat 2012 mehr als 1 Billion Renminbi Yuan (RMB; circa 123 Mrd. Euro; 1 Euro = rund 8,14 RMB, Durchschnittskurs 2012) in F&E investiert und seine entsprechenden Ausgaben seit 2008 jährlich um 18% gesteigert. Damit könnte das Land gemäß dem Battelle Memorial Institute bereits 2022 den bisherigen Spitzenreiter USA verdrängen.

Forschungseinrichtungen, Staat und Unternehmen müssen enger kooperieren

Gewaltige Ausgaben allein genügen nicht, um Spitzenergebnisse in der Forschung zu erzielen. Auch das Zusammenspiel zwischen Forschungsinstituten, Universitäten, Unternehmen und Geldgebern muss effizient und ergebnisorientiert sein. Dies stellen Experten im Falle der Volksrepublik China immer wieder in Frage. Erst im Januar 2014 wurden Direktor und Stellvertreter der Abteilung für Wissenschaft und Technologie der Kommunistischen Partei der Provinz Guangdong wegen Veruntreuung von Finanzmitteln ihrer Positionen enthoben. Einem Bericht der Wochenzeitung China Economic Weekly zufolge dürften nur 40% der staatlichen F&E-Ausgaben tatsächlich in Forschungsaktivitäten fließen.

Auch andere Indikatoren wir der Anteil der Hightechprodukte (nach chinesischer Definition) am Export sind nur eingeschränkt belastbar. Trotz erheblicher Anstrengungen ist es der Volksrepublik China bislang nicht gelungen, deren wertmäßigen Exportanteil dauerhaft über 30% zu halten. Nach 29% in 2012 wurde mit 29,9% auch 2013 die 30%-Marke knapp verfehlt. Ebenso bleibt die in den entsprechenden Branchen bislang erwirtschaftete Wertschöpfung bislang relativ gering. Dies gilt vor allem für Produkte der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) wie Handys, Tablets oder Notebooks. Vielfach werden sie von internationalen Firmen im Land mit einem hohen Importanteil an Teilen, Vorprodukten und Technologie-Knowhow hergestellt. 2013 fertigten Unternehmen mit ausländischem Investitionsanteil 61,2% aller exportierten elektromechanischen und 73% aller exportierten Hightechprodukte.

Die Volksrepublik China setzt daher auf Spill-over-Effekte und unterstützt seit Jahren internationale Unternehmen beim Auf- und Ausbau von Forschungskapazitäten vor Ort. Deren Bereitschaft ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, angezogen von relativ günstigen Personalkosten sowie der Nähe zur nachfragenden Industrie- und Privatkundschaft. Ende 2012 waren über 10.000 F&E-Zentren ausländischer Firmen (inklusive der beiden Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau sowie Taiwan) registriert; sie stellten damit rund 22% der Gesamtzahl. Im Vergleich zu inländischen Einrichtungen arbeiten sie mit weniger Personal (19,8% des Personals aller F&E-Zentren), aber mit höheren Investitionen (27,9%). Von ihnen erforschte Patente müssen gemäß dem seit Oktober 2009 gültigen Patentgesetz zuerst in der Volksrepublik China angemeldet werden, bevor dies in anderen Drittländern oder im Heimatland des ausländischen Mutterkonzerns geschehen kann.
Chinesische Firmen fluten Märkte mit Patenten

Inzwischen ist das State Intellectual Property Office (SIPO) in der Volksrepublik China mit 2,38 Mio. Anmeldungen und 1,3 Mio. gewährten Patenten im Jahr 2013 weltweit das größte Patentamt. Nur 6% der Anmeldungen und 6,4% der gewährten Patente stammen von ausländischen Anmeldern, die jedoch noch für 31% der Erfindungspatente verantwortlich sind. Diese stellen inzwischen 15,8% der gesamten Patentanmeldungen. Inwieweit die Patente auch internationalem Standard entsprechen, wird jedoch immer wieder in Frage gestellt. Dennoch zeichnet sich ein deutlicher Trend ab, denn auch die chinesischen Patentanmeldungen in Europa, Japan und den USA nehmen immer mehr zu.

Gerade mittelständische ausländische Unternehmen fühlen sich der in chinesischer Sprache verfassten Flut an Patenten äußerst unterschiedlicher Qualität häufig ausgeliefert. Nur schwierig können sie die Wettbewerbssituation an der Innovationsfront in der Volksrepublik begleiten, bewerten und in der eigenen Unternehmensstrategie berücksichtigen. Doch auch chinesische Firmen kämpfen mit der Flutwelle. Zwischen ihnen finden die meisten Patentstreitigkeiten statt.

Die Volksrepublik China hat Innovation als künftigen Wachstumsmotor erkannt. Unterstützt durch Marktgröße und Regierungswille, agiert das Land auch mit Deutschland als Technologiepartner zunehmend auf Augenhöhe. An Bereichen gemeinsamer Interessen mangelt es nicht. Die 2011 erstmals im 12. Fünfjahresprogramm 2011 bis 2015 von der Volksrepublik China benannten “neuen strategischen Industriebereiche” - Energieeinsparung und Umweltschutz, neue Informationstechnologien, Biotechnologie, hochwertige Ausrüstungen, neue (nichtfossile) Energien, neue Materialen und alternative Kfz-Antriebstechniken - lesen sich wie ein Pendant zu den im Rahmen der Hightech-Strategie der Bundesregierung ausgewiesenen Schlüsseltechnologien. Dies birgt viel Potenzial für Kooperation, aber auch für Wettbewerb. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung erarbeitet daher unter Einbeziehung der deutschen Wirtschaft und zahlreicher Experten eine neue Chinastrategie.

Die 14. Asien-Pazifik Konferenz der Deutschen Wirtschaft (APK) wird vom 20.11. bis 22.11.14 in Ho Chi Minh Stadt, Vietnam, stattfinden. Die APK, die seit 1986 alle zwei Jahre in Asien veranstaltet wird, hat sich inzwischen als bedeutendstes Netzwerktreffen in der Region etabliert. Mehr als 750 Entscheidungsträger aus Unternehmen, Verbänden und Bundesministerien nahmen an der letzten APK in Indien 2012 teil.

Quelle: Corinne Abele / GTAI

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