Tibetischer Mönch wegen Weitergabe von Informationen zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt

Ein höhergestellter tibetischer Mönch, der seit seiner willkürlichen Festnahme vergangenen Oktober als vermißt galt, wurde nun von einem chinesischen Gericht zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt.


Er hatte Bilder der Nonne Tenzin Wangmo und Informationen über ihren Selbstverbrennungsprotest an Außenstehende gegeben. Das Mittlere Volksgericht in der Präfektur Ngaba, Provinz, Sichuan, fällte das Urteil am 18. Juni 2012.

Tenzin Wangmo zündete sich an einer Kreuzung in der Nähe ihres Klosters Mamae Dechen Choekhorling in der Region Ngaba an und rief „Laßt den Dalai Lama aus dem Exil zurückkehren“ und forderte Religionsfreiheit in Tibet. Sie erlag sofort ihren Verletzungen.

Die gegen den Mönch Yonten Gyatso, 37, der diverse offizielle Aufgaben im Kloster Khashi im Bezirk Ngaba wahrnahm, erhobenen Anklagen beziehen sich auf „Weitergabe von Informationen seit 2008 über politische Ereignisse in Tibet, mittels des Versuchs, Menschenrechtsorgane der UNO per Telefon zu kontaktieren“. Yonten Gyatso verbüßt seine Strafe im Mianyang Gefängnis in der Provinz Sichuan.

Yonten Gyatso wurde am 18. Oktober 2011 im Kloster Khashi Gyephel Samtenling festgenommen, wo er als Haupt-Disziplinar und Gesangsmeister (tib. umze) wirkte. Außerdem war er früher Mitglied und dann Direktor des Verwaltungsrats des Klosters Khashi, das zwei Kilometer von der Bezirksstadt Ngaba entfernt liegt.

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Foto: Tibet Post International

Nach seiner plötzlichen Festnahme kam er zuerst in das Bezirks-Militärlager von Ngaba, aber dann überstellten ihn die dortigen Militäroffiziere den Beamten des Staatssicherheitsdienstes in der Stadt Chengdu. In einem Haftzentrum in dem Stadtteil Bhugang wurde er von den Mitgliedern des Staatssicherheitsdienstes geschlagen und gefoltert. Die Schläge und die Folter, die er dort zu erdulden hatte, waren dermaßen entsetzlich, daß er einige Male daran dachte, sich umzubringen, um diesen höllischen Qualen zu entgehen.

Das TCRHD kann nicht definitiv sagen, ob das Haftzentrum, in dem Yonten Gyatso eingesperrt war, ein sogenanntes „black jail“ (geheimes Gefängnis) war, oder ob das Haftzentrum in Bhugang ein offizielles Gefängnis war.

Yonten Gyatso ist ein führender Pädagoge, der im Bezirk Ngaba besonderes Ansehen genießt. 1992 gründete er mit Hilfe von Spenden tibetischer Geschäftsleute die Remon Grundschule im Dorf Khashishul, wo die tibetische Sprache gelehrt wurde. Als Leiter der Bildungsgesellschaft von Khashi startete er in der ganzen Region Ngaba Programme, um die Einheimischen in tibetischer Religion, Sprache, Kultur und Tradition zu unterrichten. Dazu lud er auch Experten und Gelehrte ein. In seinen Vorträgen in der örtlichen Gemeinde und vor Studenten legte er besonderen Wert auf die Förderung und Wahrung der Einheit unter den Tibetern, wozu er oftmals Absätze aus den Lehren und Reden des Dalai Lama anführte, um seinen Standpunkt zu erhärten.

„Es ist ungeheuerlich, daß China ständig tibetische Menschenrechtsaktivisten festnimmt, deren einziges ‚Verbrechen’ die Weitergabe von Informationen über Ereignisse in Tibet ist. Selbst wenn die Anschuldigungen gegen Yonten Gyatso zutreffen, ist er deswegen doch kein Verbrecher. Er ließ die Außenwelt von den Menschenrechtsverletzungen in Tibet wissen, indem er sein eigenes Leben aufs Spiel setzte“, sagte Tsering Tsomo, die geschäftsführende Vorsitzende des TCHRD. „Statt tibetische Menschenrechtsverteidiger festzunehmen und ungerechte Urteile über sie zu verhängen, sollte China Tibet für ausländische Beobachter und unabhängige Medien öffnen“.

Eingereicht durch:

Internationale Gesellschaft fur Menschenrechte (IGFM)
Arbeitsgruppe München
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IGFM München

Quelle: TCHRD

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