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Donnerstag, der 02.09.2010

Am Anfang Panzer, am Ende Luftballons

Am Anfang Panzer am Ende Luftballons„Genossen, ihr habt schwer gearbeitet“.


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Am Anfang Panzer, am Ende Luftballons, dazwischen eine Zeitreise durch ein verwirrendes China: Mit einer gewaltigen Parade feierte die Kommunistische Partei am Donnerstag den 60.Geburtstag der Volksrepublik – und sich selbst.

Als sich die Tribünen vor dem Tor des Himmlischen Friedens kurz vor acht Uhr füllten, warteten die rund 80.000 Schulkinder auf dem riesigen Platz vor dem Mao-Mausoleum bereits seit dem Morgengrauen auf ihren großen Auftritt. In bunten Kleidern gehörten sie zu den 200.000 Akteuren, die seit Monaten auf diesen Augenblick hintrainiert haben.

Und dann kam er, Punkt zehn Uhr: Genosse Hu Jintao, Parteichef, Oberkommandierender der Armee und Staatspräsident in einer Person. Wie einst vor 60 Jahren Mao Zedong trat er im traditionellen Mao-Anzug vor seine Untertanen. Anders als früher jedoch brauchte niemand einen Feldstecher, um ihn zu erspähen: Auf zwei großen Bildschirmen erschien Hu inmitten seiner Kollegen aus dem Politbüro, dem innersten Zirkel der Macht in China. Auch sein Vorgänger, Jiang Zemin, war dabei, niemand wusste so recht, warum.

Es war eine Inszenierung, deren Präzision geradezu atemberaubend war. Eine Stunde rasselten Panzer, Haubitzen, Schwimmfahrzeuge und Raketentransporter an den Tribünen vorbei. Keinen Millimeter schienen sie aus der Reihe, auch die Soldaten und Soldatinnen zeigten eine fast übermenschliche Genauigkeit.

Kampfbomber und Hubschrauber flogen in perfekten Formationen über Peking. Die Militärattachés aller Herren Länder schauten aufmerksam auf das Kriegsgerät, das zum Beispiel die Taiwanesen daran hindern soll, sich für offiziell unabhängig zu erklären. Die Wiedervereinigung mit der Insel, die sich seit 1949 selbst regiert, erklärte Hu auch gestern wieder zum höchsten Staatsziel. Doch manchen erschien die Parade auch als Verkaufsschau für die uniformierte Kundschaft in aller Welt.

Anweisungen für Diplomaten

Der Aufmarsch wurde live in alle Ecken des Landes übertragen, ebenfalls akkurat inszeniert. Vor der Diplomatentribüne hielt eine Mitarbeiterin des Staatsfernsehens ein rotes Schild hoch: „Wir werden Sie gleich filmen, bitte schauen Sie nicht direkt in die Kamera.“ Dann klatschte sie in die Hände, und alle wussten, was sie zu tun hatten.

Nach alter Tradition fuhr Hu in einer schwarzen Limousine Marke „Rote Fahne“ über die Straße des Ewigen Friedens, wo die Soldaten in Reih und Glied warteten: „Genossen, ihr habt schwer gearbeitet“, rief er in die vier Mikrofone auf dem Autodach. „Höchster Führer, Sie haben schwer gearbeitet“, erschallte die Antwort der Militärs.

Der Personenkult, der da zum Vorschein kam, hat nichts gemein mit dem modernen China. Umrahmt von jubelnden, fahnenschwenkenden jungen Leuten wurden Porträts von Mao Zedong, dem Wirtschaftsreformer Deng Xiaoping, Ex-Parteichef Jiang und Hu Jintao vorbeigerollt.

china 449

60 Jahre Volksrepublik und Chinas Massen marschieren im Gleichschritt. Das muss für die KP-Führer ein erhebendes Gefühl sein. Das normale Volk haben sie an die TV-Schirme verbannt, Pekings Innenstadt war abgesperrt. Selbst Anwohner des Tian’anmen-Platzes durften nicht die Paradestrecke säumen. Damit es an diesem Tag schön blieb, hatten Spezialeinheiten die Wolken zuvor künstlich abregnen lassen.

An der Führung vorbei rollten Festwagen, die Chinas Gesellschaft repräsentierten: die Provinzen, das Gesundheitswesen, die Raumfahrt, die Landwirtschaft zum Beispiel. Sogar ein Symbol der Verfassung war Teil des Umzuges. Das alles schien wie ein Rückfall in alte Zeiten, nur schöner, bunter, technisch ausgefeilter. Gefallen hat es trotzdem: „Das war sehr berührend“, sagt ein Pekinger Taxifahrer.

Jutta Lietsch / DiePresse.com

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Quellen:
DiePresse.com

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