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Donnerstag, der 02.09.2010

Chinas gestohlene Kinder

Chinas gestohlene kinderJedes Jahr werden in China tausende Kinder Opfer von Menschenhändlern. Die verzweifelten Eltern erhalten keine Hilfe - auch nicht von der Polizei


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Mit Transparenten und Plakaten haben am Mittwoch mehr als 30 Eltern von vermissten Kindern einen Protestmarsch im chinesischen Dongguan inszeniert, um die Regierung auf ihre Notlage aufmerksam zu machen.

Die Eltern, vor allem Wanderarbeiter in der Industriezone der Provinz Guangdong, sagen dass allein in ihrer Region im letzten Jahr mehr als 500 Jungen als vermisst gemeldet wurden; mindestens 1000 seien seit 2007 entführt worden, berichtet die “China Daily”.

Die Eltern wandten sich an die Stadtverwaltung von Dongguan, um endlich Hilfe bei der Suche ihrer entführten Kinder zu erhalten. Als keiner der Beamten mit ihnen sprechen wollte, entschieden sie sich zu ihrem Protestmarsch. “Niemand will uns zuhören. Wir sind völlig verzweifelte Eltern, haben alle unsere Ersparnisse auf der Suche nach unseren vermissten Kindern ausgegeben, viele von uns haben sogar Schulden aufnehmen müssen. Die meisten Fälle wurden von der Polizei noch nicht einmal aufgenommen”, sagte ein Vater, der nicht genannt werden wollte.

Die chinesische Regierung beharrt darauf, dass es pro Jahr weniger als 2500 Fälle von Menschenhandel gibt. Nach Angaben von Elternverbänden geht die Zahl in die Hunderttausende. Das Geschäft mit Kindern ist äußerst lukrativ, besonders kleine Jungen sind eine begehrte Ware für kinderlose chinesische Eltern, die sich verzweifelt einen Erben wünschen. Für den neuen Sohn machen viele bis zu 3500 Dollar locker.

Alleine am 18. Oktober letzten Jahres sind fünf Kinder, darunter die vierjährige Tochter von Xu Jiancheng, in Gaobu, einer Kleinstadt mit 200.000 Einwohnern, verschwunden. Xu meldete das Verschwinden ihrer Tochter sofort bei der Polizei, die ihr aber mitteilten, sie müssten erst 24 Stunden warten, bevor sie den Fall aufnehmen könnten. Danach behauptet die Polizei meist, dass für eine effektive Ermittlung zu viel Zeit verstrichen sei, Spuren nicht mehr nachgegangen werden könne und eine Ermittlung daher nicht zielführend sei.

Chinas gestohlene Kinder

Die Polizei von Dongguan liess mitteilen, dass die Zahl der vermissten Kinder völlig übertrieben sei und weigerte sich zu den Vorwürfen der Nichttätigkeit Stellung zu nehmen.
Für die Ignoranz der Polizei gibt es eine Vielzahl von Gründen: Die Polizei wird kaum dafür belohnt, Verbrechen an jenen aufzuklären, die ohne jeglichen politischen Einfluss sind. Auch deuten nichtaufgeklärte Fälle auf die Ineffizienz der Beamten hin und schmälern deren jährliche Bonuszahlungen.

“Entführung und Kinderhandel sind besonders in Dongguan an der Tagesordnung, weil die Bevölkerung hauptsächlich aus Wanderarbeitern besteht, die sich die Gebühren für den Kindergarten nicht leisten können. Sind die Kinder auf dem Spielplatz, sind sie leichte Beute der Entführer,” so Baoyan Zhang, Vorsitzende der Selbsthilfeorganisation “Baby Come Back Home”.

Auf der Website der Organisation www.baobeihuijia können Eltern Informationen über ihre vermissten Kinder einstellen. Mehr als 2000 Eltern in ganz China haben die Website bisher genutzt, sowie rund 700 obdachlose Kinder, die auf der Suche nach ihren Eltern sind, sagte Zhang.

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Zhang erwartet indes eine Änderung zum Besseren, da das Ministerium für Öffentliche Sicherheit eine landesweite Initiative gegen die Entführung und den Handel mit Frauen und Kindern gestartet habe. Während dieser Zeit soll die Polizei nun sofort nach Bekanntwerden einer Entführung tätig werden, statt 24 Stunden zu warten, erklärte das Ministerium.

Doch bei vielen Eltern ist Leid und Frustration der Wut gewichen. Sie glauben nicht mehr an die Versprechungen der Regierung.
„Ich hasse mich selbst, weil mein Kind verschwunden ist, aber mehr noch hasse ich die Gesellschaft, weil es sie nicht kümmert. Uns allen gemein ist der Schmerz, und wir werden alles tun, um unsere Kinder zurückzubekommen.“

Yiruisi für China-Observer.de

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Quellen:
China Daily
New York Times
Find Chen Jie

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