Steigende Kriminalität in China schürt Nachfrage nach Sicherheitstechnik
Chinas Markt für Sicherheitstechnik entwickelt sich antizyklisch.
In unsicheren Zeiten fragen private Haushalte und die Behörden in der VR China verstärkt Überwachungstechnik und Alarmanlagen nach. Viele Städte investieren in Videoüberwachung. Das riesige Konjunkturpaket der Regierung fördert zudem den Ausbau der Infrastruktur. Das schafft auch Absatzchancen für Sicherheitstechnik. Japan und Deutschland, 2008 die größten Branchenlieferanten, dürften indes 2009 unter der Schwäche der Sparte mechanische Sicherheitstechnik leiden.
Der Bedarf der VR China an Sicherheitstechnik wächst auch in der Krise. So ist angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit in zahlreichen Städten die Kriminalität deutlich gestiegen. Wohnungsbesitzer dürften daher verstärkt in die Sicherung ihres Eigenheims investieren. Allerdings greifen sie zumeist auf preiswerte Alarmanlagen und Schlösser aus einheimischer Produktion zurück. Ausländische Anbieter, die überwiegend im Premiumsegment auftreten, dürften hingegen von den verstärkten Sicherheitsanstrengungen der Regierung profitieren.
Mit Sorgen beobachten die Behörden den Anstieg der Kriminalität. Insbesondere im Süden des Landes, wo viele Wanderarbeiter ihren Job verloren haben, ist die Situation sehr ernst. In Guangzhou, der Hauptstadt der Provinz Guangdong, sind die registrierten Straftaten nach offiziellen Angaben seit Jahresbeginn 2009 um rund 30% angestiegen. Die Stadt gilt traditionell als eine Kriminalitätshochburg, doch hatten die Verantwortlichen die Situation in den letzten Jahren durch die Installation eines engmaschigen Videoüberwachungsnetzes einigermaßen in den Griff bekommen.
Nach offizielle Angaben waren zur Jahresmitte rund 250.000 Videokameras in Guangzhou installiert. Sie sind fast ausschließlich “made in China”. Doch bei der Installation und Integration des Systems musste die Stadtverwaltung auf die Hilfe ausländischer Konzerne zurückgreifen. Dabei wurden Aufträge an renommierte US-Unternehmen wie IBM, Cisco, HP und Dell vergeben.
Auch in Shenzhen an der Grenze zur Sonderverwaltungsregion (SVR) Hongkong sollen inzwischen 200.000 Videoüberwachungsanlagen installiert worden sein. Insgesamt gab es auf Guangdongs öffentlichen Plätzen zur Jahresmitte 2008 knapp 900.000 Kameras. Bis Ende 2010 sollen es deutlich über eine Million werden. Vor allem in kleineren Städten und im Hinterland wird nun nachgerüstet.
Was für den Süden gilt, lässt sich im Prinzip auch auf andere Landesteile übertragen. Während die großen Metropolen insbesondere an der Küste schon flächendeckend videoüberwacht sind, besteht nunmehr Nachholbedarf in den zahlreichen Millionenstädten im Landesinneren.
Zusätzlichen Aufwind bekommt der Sicherheitstechnikmarkt durch den Ausbau der Infrastruktur im Rahmen des fast 600 Mrd. US$ schweren Konjunkturprogramms. Bei der Überwachung und Steuerung von Flughäfen, Bahnhöfen, Containerhäfen, Brücken und Schienenwegen setzt China im nicht geringen Umfang Hightech aus dem Ausland ein.
Der Markt für elektronische Sicherheitstechnik dürfte sich daher 2009 und 2010 lebhaft entwickeln. Anders sieht die Lage in der Sparte mechanische Sicherheitstechnik aus. Die Nachfrage nach Schlössern, Schlüsseln und Beschlägen ist stark rückläufig. Insbesondere die Kfz- und Möbelindustrie, einer der größten gewerblichen Nachfrager, bestellt deutlich weniger, da ihre Exporte schwächeln. Zudem benötigt auch der Immobiliensektor weniger Schließtechnik, da es große Leerstände gibt und die private Bautätigkeit 2009 zurückgehen dürfte.
Dieser Trend machte sich bereits 2008 in der Zollstatistik bemerkbar. So sanken die Einfuhren von Schlössern und Schlüsseln gegenüber dem Vorjahr um 7%. Insgesamt importierte die Volksrepublik 2008 Brandschutz- sowie elektrische und mechanische Sicherheitstechnik im Wert von über 1,5 Mrd. US$, ein Plus von 8% im Vergleich zu 2007.
Deutschland und Japan waren mit einem Einfuhranteil von 16 bzw. 15% die größten Lieferländer. Ihre Exporte bestanden zu jeweils fast zwei Dritteln aus mechanischer Sicherheitstechnik. Sie müssen daher 2009 mit Umsatzeinbußen rechnen. Weitere wichtige Lieferanten waren die USA, Taiwan, Korea (Rep.) und Frankreich, wobei diese Länder in jeweils unterschiedlichen Sparten die Nase vorn hatten.

So waren die USA 2008 die führenden Anbieter von Feuerwehrwagen beziehungsweise Feuerlöschschiffen. Frankreich hingegen konnte sich in der Sparte elektrischer Verkehrssignal- und -steuerungstechnik von Platz zwei auf den ersten Rang der Einfuhrstatistik hocharbeiten. Das Land steigerte seine gesamten Branchenlieferungen damit um 40% gegenüber dem Vorjahr. Taiwan ist derweil ein wichtiger Anbieter von elektrischen Anzeigetafeln.
Autor: R.R. / Germany Trade and Invest
Tags: China, Sicherheitstechnik, Importe, Kriminalität, Nachfrage
Quellen:
Germany Trade and Invest

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