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Windenergie in China mit neuem Rückenwind

Die innerhalb kurzer Zeit stark zunehmende Nachfrage erneuerbaren Energien in Europa, gab der chinesischen Windenergieindustrie deutliche Antriebskraft.

windenergie-in-china-mit-neuem-rueckenwind.jpg Längst ist die Volksrepublik jedoch nicht länger nur Exporteur von Solarpanelen und Windturbinen. Die erneuerbaren Energien sind inzwischen im Reich der Mitte selbst angekommen, allen voran die Windkraft. Obgleich Kohle mit einem Anteil von über 70% in 2013 die wichtigste Stromquelle des Landes bleibt, steht die Windenergie nach dem Strom aus Wasserkraftwerken inzwischen an dritter Stelle. Die internationale und chinesische Windenergiebranche hat ihr Interesse längst von Europa und den USA auf neue Märkte, wie die Volksrepublik selbst verlagert. Gründe sind der enorme Energiebedarf des Landes, das hohe Windpotenzial, die günstigen Produktionskosten, aber allen voran die Unterstützung der Idee einer regenerativen Energieerzeugung, durch die chinesische Regierung.

Anfänglich galt die Vorgabe, dass die Anlagen chinesischer Windparks zu 70% aus Komponenten bestehen müssen, die in China selbst gefertigt wurden. Dies führte dazu, dass sich alle großen internationalen Hersteller direkt oder über Joint Ventures im Land ansiedelten. Inzwischen ist die Local-Content-Klausel wieder abgeschafft. Dies ändert an der Marktsituation jedoch nichts, da mittlerweile ohnehin für landesweit neu installierte Anlagen hauptsächlich inländisch produzierte Komponenten zum Einsatz kommen.

Gegenüber den ausländischen Unternehmen, haben darüber hinaus inländische Firmen technologisch deutlich aufgeholt: Chinesische Anlagenhersteller wie Goldwind, Dongfang und Sinovel, die zu den zehn Unternehmen mit größtem, globalen Marktanteil gehören, dominieren den chinesischen Markt und produzieren rund 25% der Rotorblätter weltweit. Die chinesische Regierung unterstützt die Hersteller in Form von Zuschüssen, dem Erlass von Importzöllen für inländisch nicht herstellbare Anlagenkomponenten und durch temporäre Erleichterungen oder Befreiungen von der Einkommenssteuer. Gestaffelt nach Windzonen gelten für die komplette Betriebsdauer von onshore Anlagen darüber hinaus feste Einspeisetarife. Der Konsum von Strom aus Windkraft wird mit dem Erlass der Hälfte der Mehrwertsteuer belohnt.

Unter diesen Bedingungen setzte sich China hinsichtlich seiner Windkapazität an die Weltspitze. Zwischen 2006 und 2011 verdoppelte das Land jährlich seine installierte Leistung, die Ende 2013 rund 90GW erreichte. Damit entfiel 2013 nahezu die Hälfte der weltweit neu installierten Leistung auf die Volksrepublik.

Die international dominante Position, die China hinsichtlich seiner Windenergieleistung inne hat, täuscht jedoch nicht über Herausforderungen hinweg, denen das Land seit einiger Zeit gegenübersteht. So konnte zum einen der Netzausbau mit dem Anlagenzuwachs bislang nicht mithalten. Der Mangel an Anschlussmöglichkeiten führte bereits 2009 in der Inneren Mongolei und dann landesweit zu Abregelungen, also konkret dazu, dass Windkraftanlagen aus dem Wind gedreht werden mussten, um nicht länger Strom zu liefern. Damit kam es zu ersten größeren Ertragsverlusten, in deren Folge sich der Kapazitätsausbau in den Folgejahren verlangsamte. Nachdem in 2011 noch rund 18GW neu installiert worden waren, kamen 2012 nur noch rund 13GW hinzu. In 2013 gewann die Entwicklung mit 16GW Neuinstallationen zwar wieder an Fahrtwind, die Herausforderung des unzureichenden Netzzuganges bleibt jedoch bestehen. Im vergangenen Jahr waren noch rund 12% der installierten Leistung nicht am Netz. Projektentwickler versuchen dem Problem der unzureichenden Netzanbindung zu entgehen, indem sie vermehrt auf wenig erschlossene Gebieten im Südosten und in Zentralchina ausweichen. Damit tragen sie insgesamt zu einer geographischen Ausbalancierung der Windnutzung bei.

Die chinesische Regierung reagiert auf den unzulänglichen Netzanschluss mit dem Aufbau neuer und dem deutlichen Ausbau bestehender Stromnetze. Ziel ist es, bis 2015 in Nord-, Ostund Zentralchina zusammen drei vertikale und drei horizontale Ultrahochspannungsnetze, mit einer Transformationsleistung von insgesamt rund 5,6 Millarden kVA fertigzustellen. Über diese soll u.a. der Strom aus Windkraftanlagen aus windhöffigen, also durch gute Windbedingungen geprägten Gebieten, wie der Inneren Mongolei im Norden, zu den Zentren der Stromnachfrage im Osten geleitet werden.

Ein weiterer Grund, der zwangsläufig zur Abregelung von Windstrom führt, ist die derzeitige Quotenverteilung. Während die Netzbetreiber bei Strom aus Wärmeund Wasserkraftwerken vorgegebene Quoten erfüllen müssen, ist eine Quotenlösung für Windstrom derzeit erst im Gespräch. Zur Erfüllung der festgelegten Quoten gewährt der Netzbetreiber daher bislang anderen Energiequellen den Vortritt vor der Windenergie, die entsprechend abgeregelt wird. Einen weiteren Nachteil für den elektrischen Strom aus Windkraft, stellt die Einsatzplanung von Kraftwerken am Vortag dar. Über die Auswertung von Wetterprognosen und die Anlagenverfügbarkeit, lässt sich das zeitliche Auftreten von Wind und die damit verbundene, zu erzeugende Strommenge zwar relativ genau abschätzen. Um die Netzstabilität zu gewährleisten, entscheiden sich Netzbetreiber dennoch grundsätzlich häufig gegen die fluktuierende Stromquelle.

Die Abregelung von Windstrom kostete chinesische Windfarmbetreiber, nach Angaben der Chinese Wind Energy Association (CWEA), in 2012 rund 1.600 Milliarden USD. Qin Haiyan, Generalsektretär der CWEA, spricht davon, dass die Abregelung im selben Jahr 20 30% der Turbinen zum Stillstand gezwungen habe. In Teilen der östlichen Inneren Mongolei waren bis zur Hälfte der Anlagen betroffen. Unter diesen Bedingungen können Windräder auf Dauer nicht wirtschaftlich betrieben werden. Die chinesische Regierung plant, die Abregelung bis einschließlich 2016, u.a. durch den Netzausbau und eine geplante Quotenregelung für Windkraft, unter Kontrolle zu bringen.

Ein weiteres Hindernis, das sich Projektentwicklern in den Weg stellen kann, ist der zuweilen zeitaufwändige Genehmigungsprozess. So kann es vorkommen, dass ein Projekt zwar bereits von der National Energy Administration (NEA) genehmigt wurde, dann jedoch auf die Gegenwehr lokaler Instanzen, wie Fischereioder Forstbehörden, stößt. Zusätzliche lokale Genehmigungsforderungen ziehen die Projekte in die Länge und sorgen für Unsicherheit im Planungsprozess.

Fehlende Planungssicherheit besteht bisher auch bei der chinesischen Entwicklung der offshore Windkraft. Während die chinesische onshore Leistung weltweit führend ist, bleibt die offshore Windkraft seit Jahren weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Die offshore Projekte mit einer Planungskapazität von 1GW, die von der chinesischen Regierung in einer öffentlichen Auschreibung angesetzt wurden, stießen auf starke Gegenwehr lokaler Behörden, die ihre Interessen in den küstennahen Gebieten in Gefahr sahen. Die noch uneinheitlichen Einspeisetarife für offshore Windstrom, die in vielen Fällen als zu gering gelten, um die Anlagen gewinnbringend betreiben zu können, bremsen den Ausbau zusätzlich.

Trotz der Anfangsschwierigkeiten misst die chinesische Regierung der offshore Windkraft große Bedeutung bei. Inzwischen genehmigte die NEA 17 Windparkprojekte auf See, mit einer Gesamtleistung von rund 3,95GW.

Für 2014 wird eine deutliche Zunahme der installierten offshore Leistung erwartet. Laut Shi Lishan, dem stellvertretenden Direktor der Abteilung für Neue Energien der NEA, soll in 2014 die offizielle Einführung von standardisierten Einspeisetarifen für Strom aus offshore Windparks vorangetrieben werden, um den Ausbau zu fördern. Die Ziele der Regierung, bis 2015 fünf GW und bis 2020 ehrgeizige 30GW am Netz zu haben, sind aus derzeitiger Sicht allerdings hoch gesteckt. Hinzu kommt, dass die chinesischen Unternehmen im Bereich von offshore Anlagen bislang über vergleichsweise wenig Erfahrung verfügen. Dies kann gerade erfahrenen, deutschen Unternehmen Marktchancen eröffnen.

Nach der Talwanderung der vergangenen Jahre, gibt es somit einige Anzeichen, für eine künftige positive Entwicklung der Windindustrie in China. Ein Indiz für die Erholung des Marktes ist der in Projektausschreibungen festgelegte Preis für Windturbinen, der in 2011 auf 3600CNY/kW gesunken war, aber in 2013 bereits wieder auf 4000CNY/kW klettern konnte. Die Errichtung neuer Übertragungsleitungen in den nördlichen Provinzen Xinjiang, Jilin und Liaoning trugen bereits weiter zur Entspannung der Lage bei.

Es ist anzunehmen, dass China in den kommenden Jahren weiterhin einen beträchtlichen Anteil an Windturbinen nachfragen wird. Die chinesische Regierung stufte die Windenergie kürzlich als wachstumsstärkste erneuerbare Energiequelle ein. Neben den bereits erwähnten Anstrengungen, soll dieses Wachstum künftig auch durch eine Ausweitung der Nutzungsmöglichkeit von Windstrom, beispielsweise zum Heizen, gefördert werden, so Shi Lishan.

Die chinesische Regierung hob voller Zuversicht ihr Ziel, bis 2020 über rund 180GW Windleistung zu verfügen, auf 200GW an. Von den bislang genehmigten Projekten mit einer Gesamtleistung von 81GW, die bis 2015 realisiert werden sollen, sind bereits über 48% fertiggestellt. In 2014 steht die Installation von 18GW an Windleistung auf dem Plan.

Neben ihrem nationalen Fokus, richten Unternehmen der chinesischen Windenergiebranche ihren Blick auch international aus. Im Vergleich zu den bereits ausgereiften Märkten in Europa, bieten allen voran Thailand und Länder in Afrika sowie Südamerika neue Chancen. Während für chinesische Unternehmen also ausländische Märkte immer interessanter werden, kann das aufkommende chinesische Bewusstsein für Qualität, im Hinblick auf die vollständigen Lebenszyklen von Windkraftanlagen, deutschen Unternehmen Chancen in der Volksrepublik eröffnen. Für die meisten Projektierer zählen zwar bislang noch immer Anlagenoder Komponentenpreise zu den ausschlaggebendsten Auswahlkriterien. Die zunehmende Unzuverlässigkeit der chinesischen Turbinen trägt jedoch dazu bei, dass mehr und mehr Projektentwickler verstärkt auch die Qualität der Produkte ins Auge fassen. Inwieweit diese Entwicklung es auch deutschen Unternehmen möglich macht, ihre Geschäfte in China auszubauen, wird künftig stark davon abhängen, ob sie innovative, auf chinesische Anforderungen angepasste Lösungen anbieten und wie geschickt sie ihre Projektpartner auswählen.

Quelle: econet monitor

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