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Literaturnobelpreisträger Mo Yan verhöhnt Opfer von Zensur

Der chinesische Nobelpreisträger bezeichnet Zensur als notwendiges Übel und vergleicht es mit lästigen Sicherheitskontrollen auf Flughäfen.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) wirft dem chinesischen Literaturnobelpreisträger Mo Yan vor, mit seiner Verharmlosung von Zensur in China Dutzende Schriftsteller und Verleger zu verhöhnen, die dort aus politischen Gründen inhaftiert sind. „Ein besonders tragisches Beispiel ist das Schicksal des seit 17 Jahren aus politischen Gründen inhaftierten mongolischen Schriftstellers und Verlegers Hada“, erinnerte der GfbV-Asienreferent Ulrich Delius. „Am Tag der Menschenrechte vor zwei Jahren hätte Hada aus der Haft entlassen werden müssen. Doch seither wird er auch nach chinesischem Recht illegal in Geheimgefängnissen festgehalten und droht nach Augenzeugenberichten geisteskrank zu werden.“ Hada war 1995 zu 15 Jahren Haft verurteilt worden, weil er Bücher über die Geschichte der Mongolen veröffentlicht hatte. Seine Frau und sein Sohn wurden zeitweise in Sippenhaft genommen.

Mo Yan, dem am kommenden Montag, dem Tag der Menschenrechte, der Literaturnobelpreis verliehen werden soll, hatte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Stockholm Zensur als notwendiges Übel beschrieben und mit lästigen Sicherheitskontrollen auf Flughäfen verglichen.

„Mo Yans literarische Verdienste sind unbestritten, doch er täte gut daran, mehr Respekt gegenüber seinen Kollegen zu zeigen, die sich der Zensur nicht unterwerfen und engagiert für Meinungs- und Gedankenfreiheit eintreten“, sagte Delius. Im Gegensatz zu vielen in China inhaftierten Autoren hat Mo Yan meist offene Auseinandersetzungen mit staatlichen Zensoren vermieden. „Das ist seine persönliche Entscheidung, aber er sollte als Nobelpreisträger wenigstens so viel Rückgrat besitzen, Chinas verfolgte Schriftsteller nicht zu diffamieren. Denn so diskreditiert er sich persönlich und den Literaturnobelpreis.“

Führende chinesische Intellektuelle hatten bereits in den vergangenen Wochen die Auszeichnung von Mo Yan kritisiert, weil sich der Autor auch für Propagandazwecke von der chinesischen Staatsführung missbrauchen lässt. So hatte er sich auf der Frankfurter Buchmesse 2009 geweigert, in einem Raum mit dem chinesischen Exil-Schriftsteller Bei Ling aufzutreten.

„Die Zensur in China ist unmenschlich und grausam. Der engagierte mongolische Verleger Hada und seine Familie wurden vorsätzlich und systematisch zerstört“, kritisierte Delius. So sei der Kontakt zu Hadas Ehefrau Xinna und seinem Sohn Uiles Ende Oktober 2012 erneut abgerissen. Schon einmal waren sie monatelang inhaftiert bzw. standen unter Hausarrest. Xinna hatte in ihrem letzten Gespräch mit Freunden am 17. Oktober gewarnt, dass ihr Ehemann aufgrund der harschen Haftbedingungen geisteskrank zu werden drohe. Er habe bei ihrem Besuch im Gefängnis nur apathisch gewirkt.

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