Der Kaiserkanal in China - die längste künstliche Wasserstraße der Welt

Der Kaiserkanal, auch Großer Kanal genannt, entstand vor rund 2500 Jahren in China und ist die längste künstliche Wasserstraße der Welt.


In China war die Wasserwirtschaft seit alters her von entscheidender Bedeutung, weshalb die Herrscher des chinesischen Kaiserreiches häufig in die Natur eingriffen, um Transportwege oder Bewässerungssysteme zu schaffen. Das bekannteste und ansehnlichste Beispiel dafür ist der Kaiserkanal, die größte von Menschenhand erschaffene Wasserstraße der Welt. Natürliche Wasserwege wie der Yangzi und der Gelbe Fluss erleichterten den Transport zwischen der Küste und dem Landesinneren. Doch der weite Weg zwischen der fruchtbaren Region im mittleren Osten Chinas in den Norden war besonders beschwerlich und zeitaufwendig. Als Peking während der Yuan-Dynastie im 13. Jahrhundert zur Hauptstadt ernannt wurde, baute man den Kaiserkanal bis weit in den Norden aus, um die Region besser versorgen zu können. So entstand eine direkte Verbindung zwischen Peking und Hangzhou von 1800 km Länge. Über den Kanal wurden Baumaterial und Handelswaren aber auch Tributzahlungen und Naturalien-Steuern aus dem Süden in die Hauptstadt transportiert.

Der Kaiserkanal, auch Großer Kanal genannt, entstand jedoch nicht erst im 13. Jahrhundert. Der Bau begann bereits vor rund 2500 Jahren, als erste kleine Teilstücke errichtet wurden. Im Laufe der Jahrhunderte wurde je nach Erfordernis der Kaiserkanal weiter aus- und umgebaut. Einer der ersten größeren Abschnitte war ein 85 km langer Kanal zwischen Suzhou und dem Yangzi, der am Ende des 5. Jahrhunderts im Staate Wu entstand. Später wurde auch die Stadt Hangzhou an das Kanalnetz angebunden, was den Handel dort erblühen ließ. Die beiden Städte Hangzhou und Suzhou gelten als die Heimat der Seide und des Tees und so stellten diese Waren neben Reis schon damals den Großteil der gehandelten Güter dar. Als dann die Technik der Schiffsschleuse erfunden wurde, konnte der Große Kanal Höhenunterschiede von bis zu 40 Metern überwinden. Zudem wurde der Schiffstransport durch die Schleusen erheblich sicherer. Zuvor wurden die Höhenunterschiede durch Rutschbahnen und Rampen ausgeglichen, wodurch die Schiffe häufig beschädigt und die Waren gestohlen wurden. Nachdem der Kaiserkanal schließlich bis nach Peking ausgebaut wurde, stellte er über 600 Jahre lang die wichtigste Versorgungsader mit Getreide, Seide und anderen Handelsgütern dar. Erst als im 19. Jahrhundert der Gelbe Fluss seinen Lauf nach Süden änderte, war der Kaiserkanal nicht mehr durchgehend schiffbar und verlor dadurch an Bedeutung. Darüber hinaus übernahm allmählich die Eisenbahn einen großen Teil des Fernverkehrs und auch der Seeweg wurde immer wichtiger.

Heute wird der Kaiserkanal kaum noch für wirtschaftliche Zwecke genutzt, da weite Strecken verfallen und nicht mehr schiffbar sind. Teilweise wurde der Kanal jedoch nach der Gründung der VR China im Jahr 1949 restauriert, wodurch er heute als regionaler Schifffahrtsweg und Bewässerungskanal genutzt werden kann. Durch die Städte Hangzhou und Suzhou fließt der Kaiserkanal noch heute und kann besichtigt werden. So können Tagesausflüge auf Kanalbarken zwischen Hangzhou, Suzhou und Wuxi unternommen werden. Vor allem in Hangzhou sind Teile des Kanalsystems besonders gut gepflegt und bilden mit üppig gewachsenen Pflanzen eine kleine Oase inmitten der Stadt.

Quelle: Abenteuer China

ChinaObserver