Das Ende eines Privilegs - Chinesen entdecken das Ausland
Was bei Chinas WTO-Beitritt vor zehn Jahren noch fast undenkbar war, ist heute gang und gäbe: chinesische Touristen im Ausland …
Reisen ins Ausland galten in China lange als Luxus. Für viele Chinesen ist das Reisen inzwischen schon fast selbstverständlich geworden. Die Zahl von chinesischen Touristen im Ausland hat vor allem seit Chinas WTO-Beitritt im Jahr 2001 markant zugenommen. Laut der Chinesischen Tourismusakademie reisten allein im Jahr 2010 über 57 Millionen Chinesen ins Ausland, wo sie nicht weniger als 48 Milliarden US-Dollar ausgaben.
Für viele Chinesen gehören unvergessliche Flitterwochen im Ausland heutzutage dazu. Flitterwochen sind aber schon lange nicht mehr der einzige Grund für eine Reise ins Ausland. Für Büroangestellte in Chinas Großstädten sind Auslandsreisen inzwischen etwas ganz Normales. Und zwar nicht nur für die jüngere Generation. Auch Senioren haben an Entdeckungsreisen rund um den Erdball längstens Gefallen gefunden. Das jüngste Beispiel hierfür ist das über 60 Jahre alte Ehepaar aus Beijing, das eben erst von seiner Weltreise zurückgekehrt ist.
2001, als China der WTO beitrat, reisten gerade einmal zwölf Millionen Chinesen ins Ausland. Im Jahr 2010 waren es bereits 57 Millionen.
Long Yongtu war der Chefunterhändler bei Chinas Verhandlungen mit der WTO. Das Reisen, das für ihn und andere hochrangige Funktionäre damals noch ein Privileg war, ist heute auch für weite Teile der Bevölkerung erschwinglich geworden:
„Vor zehn Jahren konnte ich mir noch nicht vorstellen, dass sich chinesische Touristen beim Kauf von Luxuswaren auf den Champs-Élysées in Paris wie heute in der Schlange anstellen würden. Inzwischen reisen jedes Jahr Zehntausende von gewöhnlichen Leuten ins Ausland. Früher sahen wir oft Reisende aus Japan und Südkorea, wenn wir unterwegs waren. Aber heute sieht man so viele Chinesen. Das ist etwas, das ich mir in der Vergangenheit wirklich nicht vorstellen konnte. Vor einer Dekade hielten wir Chinesen, die ins Ausland gingen, für etwas äußerst Seltenes. Aber heute höre ich gleich des Öfteren, wie sich unsere Nachbarn über ihr nächstes Reiseland unterhalten.”
Mit Chinas Beitritt in die WTO im Jahr 2001 hat auch das weltweite Werben um chinesische Touristen begonnen. Einige Länder haben hierzu extra ihre Visa-Bestimmungen gelockert. Zudem haben viele ausländische Tourismusämter im Reich der Mitte neue Niederlassungen eröffnet, um für ihre Länder Werbung vor Ort betreiben zu können.
Petra Hedorfer ist die Präsidentin der European Travel Commission (ETC). Die ETC hat in China eben eine neue Webseite lanciert, um Europa als Reisedestination bekannter zu machen:
„Der Rest der Welt hat ganz klar erkannt, wie groß die Entwicklung in China ist. Jedes Jahr können es sich mehr Chinesen leisten, zu reisen und verschiedene Länder zu entdecken, und mit anderen Nationen und Nationalitäten in Kontakt zu treten. Den nationalen Tourismusorganisationen und den Vereinigungen der Hotelindustrie ist diese Entwicklung nicht entgangen. Sie alle wollen Teil dieser Entwicklung sein.”
Laut Hedorfer ist die Anzahl der chinesischen Touristen in Europa in den letzten zehn Jahren zweistellig gewachsen. Allein im Jahr 2010 waren es 3,8 Millionen.
Die zunehmende Reisefreudigkeit der Chinesen hat aber auch mit der Aufwertung des Yuan zu tun, durch die ausländische Güter und Dienstleistungen für sie günstiger geworden sind. Im Jahr 2011 waren schätzungsweise 65 Millionen chinesische Touristen im Ausland unterwegs. Das sind 13 Prozent mehr als noch im Vorjahr und so viele wie nie zuvor. Ein Ende dieses Reisebooms ist derzeit nicht absehbar.
Tags: China, Ausland, Reise, Tourismus, Boom, WTO, Hotelindustrie, ETC, Privileg
Quellen:
Chinabroadcast

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