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Donnerstag, der 11.03.2010

Zwangsabtreibungen in China gehören nicht der Vergangenheit an

Zwangsabtreibungen in China gehören nicht der Vergangenheit anWegen der Ein-Kind-Politik werden immer noch viele Frauen mit fortgeschrittener Schwangerschaft gezwungen, ihr Kind abtreiben zu lassen.


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Für die Massen-Zwangssterilisierung sind die chinesischen Provinzbehörden verantwortlich. Abtreibungen werden oft von Personal durchgeführt, das nicht fachgerecht in Hygienestandards eingewiesen wurde.

„Die Ein-Kind-Politik verursacht mehr Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen als jede andere politische Maßnahme auf der Erde“, sagte Reggie Littlejohn, Expertin für Ein-Kind-Politik und Präsidentin der neu gegründeten „Women’s Rights Without Frontiers“ (Frauenrechte ohne Grenzen). „Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisationen sind nicht zu akzeptierende Formen der Bevölkerungskontrolle“, sagte sie. Erlaube ein Land die freie Meinungsäußerung, seien Menschen in der Lage, zivilisiert zu diskutieren und zu einer Lösung zu kommen.

Viele Frauen würden ernsthafte gesundheitliche Schäden für den Rest ihres Lebens davontragen und der Eingriff in die Psyche durch die Zwangsabtreibung stehe in Zusammenhang mit der hohen weiblichen Selbstmordrate, sagte Littleton weiter.

Wei Linrong aus der Provinz Guangxi, einer gläubigen Christin und Gegnerin von Abtreibungen, wurde Gift gespritzt, das ihr ungeborenes Kind tötete, wie National Public Radio (NPR) berichtete. Zehn Beamte, zuständig für Familienplanung, holten sie von Zuhause ab und fuhren sie und ihren Mann in eine Geburtsklinik.

Wei musste fast 16 Stunden lang Wehen ertragen, bis endlich die Todgeburt erfolgte; der kleine Körper schwarz verfärbt durch die Drogeneinwirkung. Die Kindsleiche wurde von den Schwestern wie „Abfall“ entsorgt, berichtete NPR. Wei war im siebten Monat schwanger.

He Caigan, eine unverheiratete 19-Jährige, wurde gezwungen, ihr Kind im neunten Schwangerschaftsmonat abtreiben zu lassen, wie NPR weiter berichtete. Die Operation verursachte ihr ausgedehnte körperliche Schmerzen und führte zu einem seelischen Trauma.

Die Ein-Kind-Politik wurde 1979 eingeführt, um die beginnende Überbevölkerung einzudämmen. Jahre vorher, unter Mao Zedongs Regierung in den 50-er Jahren, wurden die Chinesen ermuntert, Kinder zu gebären, um die Arbeitskraft und die Militärmacht anzukurbeln.

Xinhua: mehr Abtreibungen nötig wegen mangelhafter Aufklärung

China Daily, eine staatlich-kontrollierte Zeitung, veröffentlichte kürzlich eine Statistik über 13 Millionen Abtreibungen jährlich und eine Geburtenrate von 20 Millionen, herausgegeben von der chinesischen nationalen Familienplanungs-Kommission.

Der Artikel in der China Daily führe die hohe Anzahl an Abtreibungen zurück auf die mangelhafte Aufklärung über Empfängnisverhütung, gab BBC wieder. Experten jedoch machen die Ein-Kind-Politik für die Abtreibungen verantwortlich.

Für Colin Mason, der im März diesen Jahres Feldforschung für das gemeinnützige Population Research Institute Virginia in Guangdong und Guangxi betrieb, sind die meisten der 13 Millionen Abtreibungen Zwangsabtreibungen. Die beiden Provinzen gelten in China als „Modelle“ für die strikte Einhaltung der Ein-Kind-Politik; alle Geburtsquoten werden befolgt. Nach Masons Erfahrungen würden die meisten Frauen mehr als ein Kind bekommen, wenn sie dürften.

Der offensichtlichste Effekt dieser Ein-Kind-Politik ist der Schaden, der den Frauen und Kindern zugefügt wird.

Zwangssterilisationen und Abteibungen werden oft von Personen mit ungenügender Ausbildung ausgeführt unter mangelhaften sterilen Bedingungen. Laut Littlejohn entwickeln sich bei vielen Frauen für den Rest ihres Lebens schwere Gesundheitsprobleme. Sie fügte hinzu, dass der psychische Schock nach den Abtreibungen verantwortlich für die hohe weibliche Selbstmordrate in China ist.

Unter Chinas Ein-Kind-Politik müssen Ehepaare eine Geburtserlaubnis beantragen, bevor sie ein Kind bekommen können. Unverheirateten Frauen ist es verboten ein Kind zu bekommen.

Von Bußgeld über Kindesentführung bis zu Folter

Strafmaßnahmen zur Durchsetzung der Ein-Kind-Politik beinhalten horrende Bußgelder, erzwungene Abtreibungen und Sterilisationen, willkürliche Verhaftungen, Folter und manchmal Kindesentführung. Eine Zwangsabgabe „zum sozialen Ausgleich“ ist die herkömmlichste Form; laut Littlejohn kann das Bußgeld für eine ungeplante Schwangerschaft die Hälfte bis das Zehnfache eines Jahresgehalts betragen.

Die Propaganda warnt landesweit vor Übertretungen mit Sprüchen an Straßenrändern und öffentlichen Anschlagbrettern oder auf Bannern, die an Telefon- und Strommasten befestigt sind. Die Parolen früherer Jahre waren dramatischer formuliert, wie „ein Kind mehr ist ein Grab zusätzlich“ oder „plant weniger Babys, aber mehr Schweinchen“.

Die Ein-Kind-Politik wird auf der lokalen Provinz-nach-Provinz-Ebene durchgesetzt. Das Verfahren auf nationaler Ebene dehnt sich aus auf alle Regierungsebenen. Den örtlichen Behörden der Provinz Gansu wurden Beförderungen und Geldprämien in Aussicht gestellt bei Einhaltung der vorgegebenen Zahl an Sterilisationen in ihrem Einzugsgebiet. Das geht aus dem Jahresbericht 2008 der Congressional-Executive Commission on China (CECC) des US-Außenministeriums hervor.

Bob Fu, Gründer und Präsident der gemeinnützigen christlichen Organisation ChinaAid mit Sitz in den USA sagte, die Ein-Kind-Politik habe seine Familie in Gefahr gebracht. Er war Englischlehrer an der Pekinger Schule für die Kommunistische Partei, als seine Frau schwanger wurde. Das Ehepaar bekam von der Arbeitseinheit deshalb keine Geburtserlaubnis ausgehändigt, weil deren Quote ausgeschöpft war. Also flohen sie kurzerhand nach Hongkong, um dem Druck von offizieller Seite zu entgehen.

Auch Fus Schwägerin wurde trotz der Sanktionen durch die Ein-Kind-Politik schwanger. Während sie selbst der Familienplanungsbehörde entwischen konnte, indem sie von zu Hause weglief, wurde ihr Mann mitten in der Nacht ins Dorfbüro geschleppt und brutal geschlagen, erzählte Fu.

Wird in einer Familie eine Person einer ungeplanten Schwangerschaft bezichtigt, muss der Rest der Familie ebenso dafür haften – Nachbarn, Eltern, Großeltern, sie alle können gefangen genommen, ins Gefängnis gesteckt oder finanziell unter Druck gesetzt werden.

„Das Leben ist nicht gut für die Chinesen, nicht wegen der Überbevölkerung, sondern wegen der Regierungspolitik“, sagte Fu.

Der über China hinaus bekannte blinde Aktivist Chen Guangcheng brachte behördlich angeordnete Zwangsabtreibungen und -sterilisationen von Tausenden von Frauen in Linyi, Provinz Shandong, an die Öffentlichkeit. Laut späteren Berichten wurde er inhaftiert und gefoltert und seine Familie wurde unter Rund-um-die-Uhr-Beobachtung gestellt.

Die Zahl elternloser Kinder wächst ebenfalls. Eltern, die sich scheiden lassen, setzen manchmal ihre Kinder aus, weil die Politik den Eltern nicht erlaubt, in der neuen Beziehung noch einmal ein Kind zu bekommen. Ausgesetzte Kinder leben außerhalb der Gesetze, sind mittellos und haben keinen Zugang zu Gesundheitsvorsorge oder Schulbildung. Dasselbe betrifft Kinder, deren Eltern keine Geburtserlaubnis erhalten.

Trotz der erbitterten Schärfe, verbunden mit den Konsequenzen dieser Politik enthalten die Schriften der Kommunistischen Partei Chinas eine andere Auslegung des Sachverhalts. Auf der Asien-Pazifik-Konferenz 2007 in Australien verglich Chinas Promotionsmaterial zum Klimawandel ein Menschenleben mit dem CO2-Ausstoß und stellt fest: „Dank der Richtlinien zur Familienplanung in China seit den 70-er-Jahren, konnte das Bevölkerungswachstum um mehr als 300 Millionen niedriger gehalten werden. Das entspricht einer Einsparung der jährlichen CO2-Emmision von 1,2 Milliarden Tonnen.

Ein-Kind-Politik wird auch zukünftig „strikt durchgeführt“

Die offiziellen Stellen haben betont, dass die Ein-Kind-Politik in den meisten Teilen Chinas unverändert bleiben werde und auch „zukünftig strikt durchgeführt wird als Mittel zur Geburtenkontrolle, weil die Überbevölkerung immer noch eine Hauptsorge ist“, berichtete das staatlich geführte Medium Xinhua.

Ganz anders denkt Nicholas Eberstadt, Politikwissenschaftler, Bevölkerungsexperte und Regierungsberater des National Board of Asian Research. Er sagt aus, Chinas Fortpflanzungsmuster befände sich unterhalb der Schwelle, die benötigt würde, um eine Population über lange Zeit zu stabilisieren (vorausgesetzt, zwei Jahrzehnte findet keine Migration statt).Des Weiteren gäbe es in den kommenden Jahrzehnten eine große Bevölkerungsgruppe ruheloser, nicht zu verheiratender junger Männer, fügte er hinzu. Eine Studie im British Medical Journal 2005 zeigt, dass es um 32 Millionen mehr Männer unter 20 Jahren als Frauen derselben Altersgruppegeben wird. Normalerweise kommen laut Eberstadt auf 103 bis 105 Jungen etwa 100 Mädchen. In China jedoch sei „das biologische Scharnier aus dem Türrahmen gerissen worden“.

Das Geschlechterverhältnis in einigen ländlichen Provinzen beträgt sogar 130 Jungen zu 100 Mädchen.

Aufgrund kultureller Bräuche bevorzugen die Familien Jungen, weil sie glauben, dass der männliche Nachwuchs die Eltern besser unterstützen kann, wenn diese Eltern alt sind. Diese kulturelle Bevorzugung, kombiniert mit der Ein-Kind-Politik, führte zu diesem Männerüberschuss, sagte Eberstadt.

Damit es zu einer solchen Geschlechterungleichheit in China habe kommen können, müssen nach seiner Einschätzung mehr als die Hälfte aller Zweitschwangerschaften mit weiblichen Föten abgebrochen worden sein.

„Chinas Führerschaft müsste nur einmal mit den Fingern schnalzen – und diese Zwangsrichtlinien wären verschwunden“, sagte er.

Vicky Jiang / The Epoch Times

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Quellen:
ETD

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