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Donnerstag, der 02.09.2010

Chinas Automobilindustrie in schwierigem Fahrwasser

Chinas Automobilindustrie in schwierigem FahrwasserFusionen und Konglomerate werden gefördert.


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Zum Jahreswechsel 2008/2009 ist auch die bislang robuste chinesische Kfz-Industrie in Schwierigkeiten geraten. Das Ziel, 2008 einen Absatz von 10 Mill. Einheiten zu erreichen, wurde mit Verkäufen von nur 9,38 Mio. Fahrzeugen deutlich verfehlt. Statt einer Steigerungsrate von knapp 13% wurden nur 6,7% erzielt. Mit diesem Zuwachs lag die VR China aber immer noch weit über den Ergebnissen anderer großer Kfz-Märkte, wie der der USA, Japans oder Deutschlands.

Die chinesischen Hersteller kommen aus verschiedenen Richtungen unter Druck. Nach Angaben der “Jidian Bao” (Machinery & Electronics Business) verfügen die Produzenten aktuell über eine Kapazität von mehr als 15 Mill. Einheiten - 50% mehr als die tatsächlichen Verkaufszahlen. Der Binnenmarkt hingegen ging in den letzten Monaten deutlich zurück.

Alleine im Dezember belief sich der Rückgang auf 11,6%. Nur noch 741.600 Einheiten wurden abgesetzt, darunter 584.600 Pkw (-8,0% im Vergleich zum Vorjahresmonat) und 157.000 Nfz (-23,0%). Unter den Pkw konnten sich alleine SUV (+5,7% auf 40.600 Einheiten) behaupten, während Limousinen (-6,9% auf 452.400 Stück), Crossover (-12,7% auf 77.700) sowie MPV (-36,9% auf 13.900) teilweise hohe Rückschläge verbuchen mussten.

Zu allem Überfluss mussten auch die Exporte hohe Einbußen hinnehmen. Nach Zollangaben wurden beispielsweise im November nur 30.000 Kfz ausgeführt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht dies einem Rückgang von 47,0%. Im Zeitraum Januar bis November konnte allerdings noch ein Zuwachs von 18,7% auf 610.00 Stück erzielt werden.

Auf dem zunehmend schwierigeren Markt kamen zahlreiche Firmen unter Druck und schraubten ihre ehrgeizigen Ziele für 2009 nach unten. Alleine Chang´an-Ford-Mazda reduzierte seine Pläne um 45%, und auch Dongfeng-Yueda-Kia (-20%) sowie Great Wall Motor (-17%) kamen unter die Räder, so die “China Automotive Review”.

Während beispielsweise VW im Gesamtjahr 2008 seine Absatzziele um 17% (FAW VW) und 19% (Shanghai VW) verfehlte, lagen Cherry um 40%, Great Wall um 35%, GM um 34% und Hyundai um 33% unter den Planzahlen, so die CAAM. In der Summe wollten die zehn größten Anbieter 4,29 Mio. Fahrzeuge verkaufen. Am Ende waren es nur 3,29 Mio. - ein Minus von 24%.

Beobachter erwarten, dass endlich eine Konsolidierung der zersplitterten chinesischen Produktion eingeleitet wird. Viele kleinere - vor allem staatliche - Anbieter sollten vom Markt verschwinden oder mit größeren Herstellern verschmelzen, meint die “Automotive News”. Viele Hersteller suchen nun ihr Glück im lange vernachlässigten im Hinterland Chinas. Nachdem die sogenannten Tier 1-Cities, in denen die Kfz-Quote mehr als 20 Fahrzeuge pro Tausend Einwohner beträgt, zunehmend an ihre Grenzen stoßen, werden nun auch “Tier 2”-Märkte (Quote: zwischen 10 und 20 pro Tausend Einwohner) wie Zhejiang, Guangdong, Jiangsu, Shandong sowie Liaoning ins Visier genommen. Gleiches gilt für “Tier 3”-Regionen wie Jilin, Shanxi, Hebei oder die Innere Mongolei mit einer Quote von 5 bis 10 und “Tier 4”-Märkte (Quote: weniger als 5 Kfz pro Tausend Einwohner).

Während die Wachstumsraten für “Tier 1” nur bei 8% liegen, weisen bisher eher vernachlässigte Gebiete wie “Tier 2” (+28%), “Tier 3” (+34%) sowie “Tier 4” (+36%) weitaus höhere Zuwächse auf, berichtet die “China Automotive Review”. Beispielsweise will Tianjin-FAW-Xiali landesweit 800 Verkaufsstellen auf “County-Level” aufbauen und hofft, bis 2010 insgesamt 400.000 Einheiten an den Mann bringen zu können. Ähnliche Ziele verfolgt dem Vernehmen nach Brilliance.

Die schwierige Situation der Autobauer hat unterdessen die chinesische Regierung aufgeschreckt, und sie denkt seit längerem über Stützungsmaßnahmen für den Sektor nach. Der Staatsrat hat Mitte Januar einen Fünf-Punkte-Plan zur Förderung der Automobilindustrie bekannt gegeben, der die schlimmsten Auswirkungen der Krise eindämmen soll.

Um erstens den Verkauf von Kleinwagen anzukurbeln, wird vom 20.01.09 bis 31.12.09 die Verkaufsteuer für Pkw bis zu einem Volumen von 1,6 l von aktuell 10% auf 5% halbiert. Dies soll insbesondere den Absatz in ländlichen Gebieten vorantreiben. Ferner wird vom 01.03.09 bis 31.12.09 der Verkauf von Minibussen (bis 1,3 l) sowie von Mini-LKW an Bauern, die ihre alten dreirädrigen Fahrzeuge durch Neuwagen ersetzen wollen, gefördert. Der Staat will hierfür die Summe von 5 Mrd. RMB bereitstellen.

Zweitens will der Staat Fusionen zwischen Kfz-Unternehmen sowie die Bildung neuer Konglomerate aktiv fördern. Auch Teile-Hersteller sollen sich zusammenschließen und mit größeren Firmen fusionieren. Beijing sieht drittens vor, selbständige Innovationen sowie eine Verbesserung der verwendeten Technologien voranzutreiben. Zur Durchsetzung dieser Ziele will die Regierung in den nächsten Jahren 10 Mrd. RMB bereitstellen. Insbesondere hat der Staatsrat dabei die Entwicklung neuer Automobile im Visier, die auf Basis erneuerbarer Energien (EE)fahren sollen.

Viertens sollen Pläne für EE-Kfz realisiert werden. Hierzu zählen insbesondere die Entwicklung batteriegetriebener Fahrzeuge sowie der dafür benötigten Kfz-Teile-Industrie. Beijing will Subventionen bereitstellen, um die Entwicklung von Technologien für energiesparende Fahrzeuge auf erneuerbarer Basis voranzutreiben. Hierdurch soll vor allem in großen und mittelgroßen Städten der Absatz solcher Fahrzeuge gestützt werden.

Schließlich soll künftig das Problem energischer angegangen werden, dass chinesische Hersteller es bislang kaum geschafft haben, eigene Marken zu entwickeln. Hierdurch erhofft sich die Regierung insbesondere die Stärkung von Produktionsbasen für den Export von ganzen Fahrzeugen sowie von Kfz-Teilen. Ferner sollen sowohl der Ausbau der Kfz-Service-Branche als auch eine Erleichterung bei der Finanzierung von Pkw-Käufen vorangetrieben werden. Auch die Entwicklung alternativer Treibstoffe soll in den nächsten Jahren mit 10 Mrd. RMB gefördert werden.

Beobachter sind allerdings nicht davon überzeugt, dass diese Maßnahmen den Kfz-Markt in größerem Umfang stützen könnten. Von verschiedenen Seiten war gefordert worden, dass Beijing die Verkaufsteuer streichen und günstige Autokredite zur Verfügung stellen sollte.

Die Entwicklung des chinesischen Kfz-Marktes für 2009 ist schwer zu prognostizieren. Die Schätzungen schwanken zwischen einem Minus von 3,6% (China International Capital Co. Ltd.) und einem Plus von 5,0% (China Association of Automobile Manufacturers). Die großen Trends werden aber unabhängig von den tatsächlichen Autoverkäufen weiter bestehen bleiben. Neue Modelle mit sparsameren und umweltfreundlicheren Motoren dürften dabei eine Hauptrolle spielen, wobei ausländische Produzenten technologisch die Nase vorn haben. Allerdings machte jüngst Toyota schlechte Erfahrungen mit seinem Hybrid-Fahrzeug Prius. In den ersten neun Monaten 2008 konnten gerade mal 616 Einheiten im ganzen Land abgesetzt werden.

Die lokalen Hersteller haben das Hinterland im Visier, hoffen allerdings auch auf bessere Aussichten auf den Exportmärkten wie Russland oder die Ukraine. Dass auch der US-Markt erschlossen werden soll, zeigt das Kapitalengagement der US-Firmen Red McCombs und Rocket Capital, die sich mit Investitionen in Höhe von 100 Mio. US$ eine Minderheitsbeteiligung von 10 bis 15% an Brilliance Auto sichern wollen. Geplant ist die Gründung eines Joint Ventures mit dem Ziel, Fahrzeuge in den USA zu verkaufen. Aufgrund der ausgeprägten Marktschwäche in den USA hat Brilliance jedoch den Markteintritt dort um zwei Jahre verschoben.

Die meisten chinesischen Marken tun sich schwer. Dies zeigt ein Blick auf ihre Anteile im Heimatmarkt. Noch 2007 stellten lokale Modelle 30,2% des Binnenmarktes. 2008 reduzierte sich dieser Wert auf nur noch 26,0%, berichtet die “Di Yi Caijing Ribao” (China Business News). Für 2009 wird ein Anteil von nur noch 24% erwartet.

Wie gering das Land insgesamt motorisiert ist, zeigen die Bestandszahlen per Ende 2008. Nach Angaben des Amtes für Öffentliche Sicherheit fuhren in China 64,67 Mio. Kraftfahrzeuge (Pkw, Nfz). Dies entspricht etwa einem Bestand von 20 Kfz pro Tausend Einwohner.

Die nachlassende Konjunktur erfasst mittlerweile auch die Bezüge aus dem Ausland. In den ersten elf Monaten 2008 wurden zwar noch 610.000 Fahrzeuge (+18,7% im Vergleich zur Vorperiode) eingeführt. Aber die die Importe gingen seit August zurück und erreichten im November ein Minus von 47,0% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Auch der Import von Kfz-Teilen verlor im Laufe des Jahres 2008 beträchtlich an Dynamik. Nachdem 2007 noch ein Zuwachs von 27,9% auf 13,2 Mrd. $ zu verzeichnen war, schwächte sich die Dynamik 2008 nach ersten Schätzungen auf ein Plus von 10,3% auf 14,6 Mrd. $ ab.

Von Bernd Schaaf / Germany Trade and Invest

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Quellen:
Germany Trade and Invest

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