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Donnerstag, der 02.09.2010

Tibetischer Mönch nach Interview über seine Folterung und Mißhandlung untergetaucht

Tibetischer Mönch nach Interview über seine Folterung und Misshandlung untergetauchtNachdem ein tibetischer Mönch mit ausländischen Journalisten über seine Foltger gesprochen hatte, muss er sich nun verstecken.


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FTC erfuhr, daß ein tibetischer Mönch, der am 12. September mit ausländischen Journalisten gesprochen und einen sehr ausführlichen Erlebnisbericht darüber, wie er gefoltert wurde, in YouTube (1) gestellt hatte, sich nun verstecken muß, da ihm die unmittelbare Verhaftung drohte. Hier folgt ein Auszug aus seinem Zeugnis.

„Ich wurde zwei Tage lang fortwährend geschlagen, und bekam dabei nichts zu essen und keinen Tropfen Wasser zu trinken… das zweite Mal lag ich sechs Tage lang bewußtlos im Krankenhaus, ich konnte meinen Mund nicht öffnen und kein Wort herausbringen… sie logen meine Angehörigen an und sagten, ich sei nicht geschlagen worden… sie zwangen mich, meinen Daumenabdruck unter ein Dokument zu setzen, in dem stand, daß ich nicht gefoltert wurde“.

„Die Mönche, die mit den Reportern (2) sprachen, wurden mit Knüppeln geschlagen, so daß einige Beinbrüche davontrugen. Einige wurden mit elektrischen Schlagstöcken auf den Kopf geschlagen und man steckte sie ihnen in den Mund. Durch die heftigen Stromstöße wurde ihr Gehirn in Mitleidenschaft gezogen und manche sind nun geistig behindert, ja, sie sind verrückt geworden. Unsere einzige Hoffnung ist, daß die internationalen Medien und die Vertreter der Vereinten Nationen nach Tibet kommen, um die wirkliche Lage zu untersuchen“.

Auf die Veröffentlichung des Interviews mit AP am 14. September hin (3) und die Einstellung des Video-Berichts bei YouTube im September starteten chinesische Beamte vom Staatssicherheitsbüro (SSB) von Gannan und vom Büro für Öffentliche Sicherheit (PSB) in Amdo (chin. Gansu) eine Großfahndung (4) nach dem Mönch, wie aus einer zuverlässigen Quelle verlautet.

Der Mönch, Jigme Gyatso, 42, aus dem Kloster Labrang in der traditionell von Tibetern bewohnten Region Amdo (chin. Gansu) gab in dem Video bei YouTube einen sehr ausführlichen, ins Einzelne gehenden Bericht darüber, was er erlebt hatte. Inzwischen erschien eine englische Übersetzung auf dem Blog der tibetischen Dichterin Woeser.

Jigme beschreibt nicht nur seine eigene Verhaftung, sondern auch, wie Tibeter im allgemeinen wahllos und willkürlich festgenommen werden.

„Es wird gar kein Unterschied gemacht, was jemand getan hat oder wie alt er ist… Novizen von 14 oder 15 Jahren und alte Mönche von 60 oder 70 Jahren wurden festgenommen. Es wurde überhaupt nicht unterschieden, ob sie protestiert hatten oder nicht“.

Bei der Schilderung seiner eigenen Erlebnisse und der eines anderen Mönches macht er deutlich, wie unmenschlich die chinesischen Soldaten und Polizisten die inhaftierten Tibeter behandeln, ohne daß sie dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

„Ein junger Soldat richtete sein Maschinengewehr auf mich und sagte auf Chinesisch: Das ist dazu da, um Dich ‚Ahlos’ (ein Schimpfwort, mit dem Chinesen die Tibeter anzureden pflegen) zu töten. Wenn Du nur einen Schritt tust, werde ich Dich mit diesem Gewehr erschießen. Und Deine Leiche werfe ich auf den Müll und keiner wird je davon erfahren“.

„Unsere Rücken waren nackt und wir waren barfuß. Sie fesselten zwei Mönche zusammen und warfen sie in ein Fahrzeug und fuhren dann mit ihnen weg. Die Mönche wurden wie Holzstämme in das Fahrzeug geschmissen. Es war ganz egal, ob einige Kopfverletzungen hatten oder andere gebrochene Arme. Der einzige Grund, warum wir so schrecklich geschlagen wurden, ist, daß wir Tibeter sind.“

Jigme fährt mit seiner Schilderung fort, wie unmenschlich die Beamten die Tibeter behandelten, ohne sich um irgendwelche gesetzliche Schutzvorschriften oder Bestimmungen der Verfassung zu kümmern.

Über den Soldaten, der ihm das Gewehr an den Kopf hielt, sagte Jigme:

„Ich war nicht so erschrocken wegen der auf meinen Kopf gerichteten Waffe, sondern weil ich dachte, daß dieser Mann nicht nur ein Soldat oder ein Sicherheitspolizist ist, sondern auch ein Vollzugsbeamter“.

Jigme verweist auf die Diskrepanzen zwischen dem theoretischen Schutz, der den Tibetern laut der Verfassung zusteht, und der Realität, daß nämlich diese Schutzbestimmungen in der Praxis nicht zur Anwendung kommen oder ganz einfach mit Mißachtung gestraft werden.

„Als wir fragten, warum sie uns so schlagen, antworteten sie: ‚Ihr versteht doch gar kein Chinesisch, Ihr wollt uns wohl zum Narren halten’. Meine Frage ist: In der Verfassung der VR China steht doch, daß in den Wohngebieten der verschiedenen Nationalitäten die Sprache der jeweiligen Volksgruppe gebraucht werden muß. Wie kommt es dann, daß in den tibetischen Gegenden die tibetische Sprache nicht verwendet wird, und die Tibeter nicht nur verbal geschmäht werden, indem man sie als ‚Tiere’ und ‚Dummköpfe’ bezeichnet, sondern auch körperlich mißhandelt, nur weil sie kein Chinesisch verstehen“.

Jigmes Schilderung der Art und Weise, wie er geschlagen, gefoltert und willkürlich festgenommen wurde, und wie die Tibeter nur wegen ihrer Volkszugehörigkeit verfolgt werden, deckt sich vollkommen mit den Aussagen anderer Mönche und Nonnen, so wie sie von FTC und anderen Menschenrechtsgruppen berichtet werden.

Anmerkungen:

(1) Video bei YouTube in zwei Teilen:



Der YouTube Ausschnitt ist aus einem Video-Interview, das Jigme Voice of America (VOA) gab. Es ist auf Tibetisch, doch eine englische Übersetzung von Jigmes Aussagen erschien nun auf dem Blog der bekannten tibetischen Schriftstellerin Woeser. [die deutsche Übersetzung folgt später].

(2) Siehe: „Die Mönche von Labrang machen vor ausländischen Journalisten ihrer Verzweiflung Luft

Wir Tibeter, besonders die Älteren, sind wie die untergehende Sonne über einem Berggipfel!

(3) Der AP-Artikel des Telefon-Interviews mit Jigme

(4) Die Quelle berichtete FTC, daß Jigme am Tag, nachdem er mit AP gesprochen hatte, in seinem Zimmer im Kloster Labrang war und plötzlich heftiges Klopfen an seiner Tür vernahm. Aus Angst verhaftet zu werden, kletterte er aufs Dach und floh. 15 Sicherheitskräfte, manche davon in Polizeiuniform, seien dann in das Zimmer eingedrungen. Sie waren vom SSB der TAP Gannan und vom SPB der Provinz Gansu. Sie durchsuchten das Zimmer eingehend, aber fanden nichts. In dieser Nacht seien mehrere Polizeifahrzeuge im Kloster Labrang gesehen worden, und am 19. September hätte die Polizei die anderen Mönche verhört und Auskunft über den Aufenthaltsort von Jigme verlangt. Am 20. September wurden seine Eltern zur Rede gestellt. Der Familie wurde angedroht, falls sie nicht bekanntgäbe, wo er sich befinde und man ihn später fände, würde seine Strafe viel härter ausfallen. Die Familie lieferte der Polizei jedoch keine Information.

Eingereicht durch:
Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)
Arbeitsgruppe München
Rudolfstr.1
82152 Planegg
Tel. (+ 49 89) 811 35 74 (Adelheid Dönges) oder
(+ 49 40) 480 80 77 (Angelika Mensching)

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Quellen:
Free Tibet Campaign (FTC)
IGFM München

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